Sie sind hier:   Burgkirche OI > Ritter Philipp von Ingelheim

Ritter Philipp von Ingelheim


Autor und Foto: Hartmut Geißler

Foto: Gs

 

Sein Epitaph, das ursprünglich wahrscheinlich bunt bemalt war, ist besonders sorgfältig und aufwändig gestaltet. Es gibt alle Einzelheiten seiner Kleidung und Rüstung wieder, bis hin zum Pelzbesatz, den Schnürbändchen auf der Brust und zu den modischen Falten des Ärmelinnenfutters (sog. "Zatteltracht", eine Mode, bei der die männliche Bekleidung in lange Zacken oder Streifen ("Zatteln") geschnitten oder mit Zatteln besetzt war).

Philipp steht - wie bei den anderen Ritter-Epitaphien und dem seiner Frau - auf einem Tier, hier ein Doppeltier mit einem Kopf, auf einem Teufel oder Drachen. Dies war ein verbreitetes fürstliches Würdemotiv nach Psalm 91, 13 Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten. Dieses Motiv taucht schon seit dem 5. Jh. (Nordafrika und Revanna) in Zusammenhang mit Jesus Christus auf. Siehe die Erklärung und Psalterabbildung aus dem 9. Jh. bei seinem Sohn Hans!

Vorn in seinem Helm ist ein Loch zur Anbringung eines naturalistischen Helmbusches gebohrt, der selbst nicht mehr erhalten ist.

Die Wappen seiner beiden Eltern neben seinem Kopf sind zur Zeit der französischen Revolution herausgemeißelt worden, wobei wahrscheinlich auch seine Nase demoliert wurde.

Stolz präsentiert er sein Schwert als Zeichen seiner vollwertigen Ritterschaft; d. h. er war nicht nur ein "Edelknecht", was auch der Begriff "miles", das letzte Wort auf der Umschrift, unterstreicht.

Text der Umschrift - unter Zuhilfenahme von HelwichRauch und Krämer:

1. oben: * anno * dm [= domini] * mcccc * xxxi * in /
= Im Jahre des Herrn 1431 am ...

2. rechts: ... die * vistaconis [= visitationis] * marie * vir(gi)nis * succubuit * in * bello * baren[si?] /
= ... Tage der Heimsuchung der Jungfrau Maria [= 2. Juli] fiel im Krieg von Bar...

3. unten:
Helwich und Rauch lasen die Schrift unten, die auf dem Kopf steht und heute fast völlig verdorben ist, von rechts nach links als:
... strenuus vir domi(n)us/
= ... der tüchtige Mann, Herr ...

4. links: ... philippus * de * yngelnheym * miles *
= ... Philipp von Ingelheim, Ritter

Anschließen müsste sich hier die übliche Fürbittenformel, also etwa "requiescat in pace" (ähnlich wie bei seiner Frau Mia); sie fehlt aber bei Philipp, obwohl genug Platz dafür vorhanden wäre. Wahrscheinlich sit, dass die Fürbittenformel auf dem Epitaph seiner Frau für beide gemeinsam galt. Denn im Januar 1615 stand sein und seiner Gattin Mia Epitaph nach Helwich, S. 358 und 360, "ante chorum a dextris", vor dem Chor auf der rechten Seite, und zwar nach anderen neun Familienmitgliedern, d. h. wahrscheinlich im südlichen Seitenschiff, und zwar in der Reihenfolge Hans-Philipp-Mia (so Helwich).

Sie standen damals also noch nicht im Chor wie 1934, als Rauch sie beschrieb, aber auch nicht voneinander getrennt wie heute - leider - unter der den gegenüber liegenden Ecken der Empore.

Philipp war ein Sohn des gleichnamigen Philipp von Ingelheim und seiner Gemahlin Anna von Albig; sein Vater war "Burggrav von Leyen" und Ritter und Schultheiß von Ingelheim.

- 1416 erhielt der Sohn Philipp von Ludwig III. v. d. Pfalz den "neuen Werth" bei Ingelheim als Lehen; das Datum könnte bedeuten, dass dies während des Konzils von Konstanz geschah, wo Pfalzgraf Ludwig mit vielen Pfälzer Rittern in seiner Funktion als Reichsrichter weilte, 
- und 1430 verschiedene Lindenfels'schen Lehen des Klosters Lorsch.

- Er gehörte zum Kreis der Räte des Kurfürsten.
- Er war von 1423-1431 (?) Burggraf zu Bacharach (Brandenstein, S. 419)
- und wurde 1427 Nachfolger seines Schwiegervaters Henne von Werberg als Viztum zu Neustadt an der Weinstraße, einem wichtigen pfälzischen Oberamt (Brandenstein, S. 342 und 424).

- Er heiratete 1416 (Johannetta) Meygen (Marie) Werberg von Lindenfels und hatte mit ihr mindestens fünf Kinder: Jacob, Philipp, Hans, Friedrich (Komtur des Deutschen Ordens zu Aachen), eine Tochter mit unbekanntem Namen und Elisabeth.

Zwei seiner Söhne waren nach Loersch, S. 528, Schöffen am Ingelheimer Reichsgericht: Philipp und Hans von Ingelheim.

Er selbst war anscheinend kein Schöffe oder Schultheiß in Ingelheim, vielleicht weil er sich mehr dem Kriegshandwerk zugewandt hatte.

Zur Schlacht bei Bulgéville im sog. Krieg von Bar (s. Umschrift), einem kleinen Herzogtum bei Lothringen

Zur Familie derer von Ingelheim

Zurück zum Seitenanfang

Gs, erstmals: 27.11.08; Stand: 07.03.17