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Die Werberg von Lindenfels


Autor: Hartmut Geißler
vgl: Geißler, Adelsfamilien


Diese im 15. Jahrhundert zeitweise sehr einflussreiche Familie am Heidelberger Hof hat nur durch Mia, die Frau des Ritters Philipp, etwas mit Ingelheim zu tun.

Rekonstruktionszeichnung von Wolfgang Braun

Das Epitaph dieser Ehefrau von Philipp und Mutter von Hans steht hinten links unter der Empore, heute leider sowohl vom Mann als auch vom Sohn getrennt.

Helwich beschreibt sie 1615 noch direkt nacheinander, d. h. doch wohl unmittelbar nebeneinander stehend im südlichen Seitenschiff.

Die Herkunft auch ihrer Familie liegt im Dunkeln. Möglicherweise war namengebend eine heute verfallene Burg Werberg in der Rhön. In der historisch belegten Zeit wurden sie meist "Werberg zu" oder "von Lindenfels" genannt, nach einer pfalzgräflichen Burg im Odenwald, in der einige wichtige Vasallen des Pfalzgrafen bei Rhein mit Lehen als Burgmannen ausgestattet waren und wohl auch lebten.

Bedeutend war vor allem der Vater Mias, Henne Werberg. Dieser war ein sehr einflussreicher und vermögender Adliger am Heidelberger Hof des Pfalzgrafen Ludwig III. und zählte jahrelang zu seinen fünf engsten Vertrauten, Geldgebern und Bürgen und schließlich 1435 auch zu jenen 25 Räten, die den schwerkranken Pfalzgrafen Ludwig in einem dramatischen Akt gemeinsam mit dessen zweiter Frau Mechthild/Mathilde von Savoyen zugunsten seines Bruders Otto von Pfalz-Mosbach entmachteten.

Dieser mächtige Mann gab nun seine Tochter Johannetta Marie (genannt „Meygen“ oder „Mia“) unserem Philipp zur Frau, wodurch die Beziehungen Philipps nach Heidelberg gewiss verstärkt wurden.

Mias Vorname wurde früher in Ingelheim in drei verschiedenen Fassungen verbreitet, als ima oder mia oder sogar anna. Das lag an der schlechten Lesbarkeit der Minuskelumschrift, deren vier gleiche „Hasten“, also Beinchen, vor dem klar erkennbaren „a“ verschiedene Deutungen zulassen.

Auch Krämer übernahm von Helwich 1615 das falsche „ima“. Nach genealogischen Recherchen steht heute zweifelsfrei fest, dass hier „Mia“ gemeint ist, also eine Abkürzung von Maria, wie wir sie ja auch heute noch benutzen. Ihr Epitaph, auf dem sie in kostbaren Gewändern mit Witwenschleier unter einem spätgotischen Baldachin dargestellt wird, auf zwei Tieren stehend, muss früher direkt neben dem ihres Mannes Philipp gestanden haben, da ihre Fürbittenformel im Plural abgefasst ist und damit wohl für beide zusammen galt, während sie bei Philipp selbst ungewöhnlicherweise fehlt.