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Das Koppenstein-Epitaph


Autor und Fotos: Hartmut Geißler


An der Westwand des beim Umbau im 15. Jahrhundert in das rechte Seitenschiff einbezogenen Turmes hängen zwei Epitaphien, von denen Krämer schrieb, dass sie noch an der ursprünglichen Stelle seien. So ganz stimmt das für das (linke) Koppenstein-Epitaph nicht, weil es im Jahre 1904 beim Einbau der Heizung sichtbar höher gesetzt werden musste, dadurch einige Schäden erlitt und außerdem an zwei Stellen beschnitten werden musste, damit es zwischen der oben nach rechts ziehenden Gewölberippe und dem benachbarten Epitaph der Dorothea Nordeck zu der Rabenau noch hineinpasste.

Foto: Gs


Aber auch so ist dieses Grabdenkmal aus Stuckwerk mit reichem Aufbau der Spätrenaissance (Säulen mit korithischen Kapitellen, Architrave mit Statuetten, Rollwerk und Früchten), das im Jahre 2010 in Trier aufwändig restauriert wurde, nur noch ein, wenn auch schöner Rest einer Grabstätte für vier Personen, denn alle vier Platten, deren Texte sich auf die Personen bezogen, sind verschwunden, möglicherweise schon in französischer Zeit zerstört. Ihre Texte sind allerdings durch Helwich und Krämer überliefert (s.u.).

Foto: Gs


Bei der Restaurierung wurden die leeren Texttafel-Flächen der Turmwand marmoriert übermalt, so dass das Grabmal heute trotz fehlender Texttafeln einen insgesamt überzeugenden Eindruck macht.

Nach Helwich ist es ein "Epitaphium a sinistris templi, also ein Epitaph auf der linken Seite der Kirche, mit vier Inschriften, für einen Vater, für zwei seiner Kinder und für die Mutter, die das Epitaph hat anfertigen bzw. anbringen lassen, also ein Familienepitaph:

a) für den Vater Henrich Volrath (=Wallrab) von Koppenstein, verstorben am 18. September 1599 und ebendort (wie auch seine beiden Kinder) bestattet (ibidem sepultus),

b) für den Sohn Henrich Niclas von Koppenstein, der mit nur einem Jahr am 24. Februar 1585 verstorbenen war,

c) für die Tochter Maria Amalia von Koppenstein, gestorben mit 13 Jahren am 31. Januar 1596,

d) und darunter eine Inschrift mit dem Hinweis, wer dieses Epitaph errichten ließ, nämlich die Witwe Elisabeth Haberkorn von Zellingen.

Alle vier Inschriften hat Helwich abgeschrieben und uns überliefert.


a) für den Vater Henrich Volrath:

Hie hat sein Ruhe bettelein
Henrich Volrath von Koppenstein,
Zum Ehgemahl hat er erkorn,
Elisabeth Haberkörnerin geborn
Mit welcher er im ehestant war,
Und friedlich lebt neunzehen Jahr,
Im Jahr seins alters Vierzig neun
Seliglich end das leben sein,
Doch lebt sein seel zu ieder frist,
Beij unserm herren Jesu Christ,
Der leib wurdt aufferstehn zur freudt,
Im Jüngsten tag in herligkeit

Placide obijt in Christo die XVIII. Septembris anno MDXCIX
(Er starb friedlich in Christus am 18. September 1599)

 

b) darunter für den Sohn Henrich Niclas:

Henrich Niclas von Koppenstein,
Henrichs Volrathen sönelein,
Ligt begraben an dieser statt,
Welches nur ein jahr gelebet hat,
In dieser Welt, jetzt ewig lebt,
Und in himmlischer glorij schwebt.

Obijt XXIIII. Februarij Anno MDLXXXV
(Er starb am 24. Februar des Jahres 1585)

c) und für die Tochter Maria Amelie:

Es hat nahe beij diesem stein,
Sein seliges schlafkämmerlein,
Maria Amelij von Coppenstein,
Es hat aus gottes wordt erkant,
Christ seinen herren und heilandt.
Drumb er es balt nach seiner gnadt
Aus dieser welt gefordert hat,
Das es ihn ehr mit lob und preiß
In himmlischen paradeiß!

Obijt in Christo die XXXI. Januarij Anno MDXCVI.
(Sie starb in Christus am 31. Januar des Jahres 1596)

d) Eine Inschrift darunter (Helwich: "infra" = unterhalb) beschrieb die Rolle der Mutter Elisabeth Haberkorn von Zellingen:

Es hat dieses Monumentum aufrichten lassen die edle viel ehrntugentsame fraue Elisabeth geborene Haberkörnin von Zellingen, des weiland edlen und vesten Heinrichen Volrathen von Koppenstein hinderlassene witwe ihrem lieben Junckern und Kindern seligen, auch derer von Koppenstein und Haberkorn ge-schlechte zu ehren und stetter gedechtnus.


Die beiden Kinder waren also vor dem Vater gestorben; über das Todesdatum der Mutter ist nichts bekannt. Zellingen, der Herkunftsort der Haberkorn, liegt 18 km nordwestlich von Würzburg.

Der Vater und die zwei Kinder sind dem Wortlaut der Inschriften nach unmittelbar vor diesem Wand-Epitaph bestattet gewesen.


Die Familie derer von Koppenstein war eine uneheliche Seitenlinie der Sponheimer.

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Gs, erstmals: 19.09.11; Stand: 07.03.17