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Grabplatte des Wolf Michael von Geispitzheim


Autor und Foto: Hartmut Geißler


Sein Epitaph:

 

Aus einer ganz anderen Epoche als die beiden Ritter links davon stammt die Grabtafel des Wolf Michael von Geispitzheim, nämlich aus dem 17. Jahrhundert. Sie ist im Boden der Kirche vermauert gewesen und erst Anfang des 20. Jahrhunderts wiedergefunden worden.

Die Familie von Geispitzheim lässt sich durch ihre Grabmale in und um die Burgkirche über 300 Jahre in Ingelheim nachweisen.

Ihr Name taucht in verschiedenen Versionen auf und leitet sich aus dem früheren Namen der Gemeinde Gabsheim bei Wörrstadt ab. In Urkunden wurde der Ort im Jahre 770 Caisbotesheim, 772 Cheisbotesheim, 775 Gesbotesheim und 1335 Geispitzheim genannt. Letzteres wurde die offizielle Bezeichnung bis zum 18. Jahrhundert. Im Volksmund hieß der Ort im 17. Jahrhundert Gauspitzheim und ab dem 18. Jahrhundert Gabsheim (laut der Homepage der Gemeinde).

Wodurch und wann Mitglieder dieser Familie nach Ingelheim gekommen sind, ob schon unter den Bolandern im 12./13. Jahrhundert, als diese staufische Vögte im Ingelheimer Grund waren und über viele Ritter geboten, oder erst später, lässt sich nicht feststellen.

Ihre Grabmale waren für Hellwich 1615 nicht sichtbar, weil sie wahrscheinlich schon früher verbaut worden waren.

In Ingelheim ist dieser Wolf Michael von Geispitzheim gut bekannt, denn er besaß in der Stiegelgasse Nr. 49 einen größeren Wirtschaftshof, datiert in das Jahr 1608 und war in den Jahren 1597-1619 der von der Pfälzer Verwaltung eingesetzte Oberschultheiß für die drei Ingelheimer Kernorte.

Unter ihm wurde 1597 nach Krämer die waffenfähige Bürgerschaft gemustert und ein „Muster-Register“ angelegt.

Er war der Sohn einer Mutter aus der Familie von Koppenstein und in zweiter Ehe verheiratet mit Agatha Beuser von Ingelheim, von der er wohl einen Teil des Beuser-Besitzes in Ingelheim übernahm, denn deren Familie starb ohne männliche Nachkommen in dieser Zeit aus. In dritter Ehe war er verheiratet mit Ursula von der Hauben. Gestorben ist er am 18. August 1632, wie aus seinem Epitaph hervorgeht.

Im oberen Teil die Wappen beider Eltern, links von Geispitzheim, rechts von Koppenstein, darunter auch ihre Namen. Darunter wohl das Wappen des Verstorbenen selbst, zerstört, und zeittypisch – es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und der Pestwellen – über dem Wappen Totenkopf und Sanduhr als Symbole des allgegenwärtigen Todes.

Zitate aus: Geißler, Adelsfamilien


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Gs, erstmals: 16.09.11; Stand: 07.03.17