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19. Rinderbach-Tor


Autor und Fotos: Hartmut Geißler/Hist. Verein


Am oberen Ende der „Rinderbach“ (wohl: -Gasse) stand eine wichtige überdachte Doppelturm-Toranlage, gestaltet wahrscheinlich wie die erhaltenen Pforten im 15. Jahrhundert. Sie kontrollierte den Zugang von und nach Niederingelheim und diente gleichfalls zur Zoll- und Weinzehnterfassung. Dazu hat sich eine Anordnung der Pfälzer Regierung von 1773 erhalten, in der Folgendes bestimmt wurde:

"dass … „jedes eingetragene und eingeführt werdende respée (?) Lögel und Ladfaß den vor den Thoren angestellten verpflichteten Herbst- und Zehndschreibern zum Visir und Aufzeichnung ohnweigerlich vorgezeiget, von dießen aber die Eigenthümer des Tröbermostes in ein Register niedergeschrieben und genau bemerket werden solle, wieviel roth oder weißen Wein solche in diesem oder jenem Weinberg und Gewannen erherbstet haben“

Um Verwechslungen zu vermeiden, sollte der Most aus zehntfreien Weinbergen, die es auch gab, zwei Tage vor der normalen Lese ausschließlich zum Rinderbacher Tor gefahren und dort registriert werden (Burger, S. 31 und 32).

Von hier aus führten zwei Wege nach Nieder-Ingelheim,
a) die heutige Grundstraße zum Dorf bei der Remigiuskirche und
b) die heutige Rotweinstraße zur ehemaligen Pfalz, dem Saal.

Nachdem das Torhaus mit seiner Torschreiberwohnung darüber seit der französischen Zeit nicht mehr für Zoll- und Zehntzwecke gebraucht wurde und stark baufällig geworden war, wurde es 1818 abgerissen und lag lange Zeit als Ruine da.

Altes Rinderbach-Tor kurz vor dem Abriss; Zeichnung von Friedrich Christian Reinermann (1764-1834) aus dem Jahr 1814; Copyright Hist. Verein, bearb. von H.G.

Rinderbachtor und Wehrmauerreste am Flutgraben, romantisch, aber in starkem Verfall. An der Mauer erkennt man zwei weitere Vorlagetürme.

 

 

Links der dicke Turm wie auf dem Reimermann-Bild; Repro: Gs

Auf der Grundrissskizze des Rinderbachtores (von Pro Ingelheim) sieht man einen fast quadratischen Grundriss des Torhauses, ähnlich dem in Elsheim.

 

 

 

 

 

An die Stelle des alten Tores trat im 19. Jh. ein einfaches Wohnhaus, das über die Straße gebaut wurde. Auch dieses Wohnhaus wurde 1973 aus Verkehrsgründen abgerissen.

Links: Rinderbach-Torhaus, schon sehr baufällig, auf einem Foto aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg (Hist. Verein, BIG 38, S. 81)

 

 

Blick in die Rinderbach durch die Stelle, an der früher die Tore standen.

Als einziger Rest des alten Tores ist noch ein Seitenpfeiler erhalten, der mit der Mauer neben dem früheren Apotheker-Anwesens verbunden ist.

 

Etwa auf halber Länge der Rinderbach zweigt das Spitalgässchen ab und darunter die Ringgasse.

 

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Gs, erstmals: 13.03.06; Stand: 04.11.20