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16. Die "Schnecke" und das Hammergässer Tor

 

Autor und Fotos: Hartmut Geißler

"Schneckenturm" mit Anbauten im Katasterplan von 1848; bearb. Gs

Dieser bewohnte Spitzkegelturm, wahrscheinlich wegen seiner Wendeltreppe „die Schnecke" genannt, kontrollierte einen Teil der ehemaligen westlichen Ortsmauer zwischen dem oberen Altegässer und dem ebenfalls niedergelegten Hammergässer Tor (siehe weiter unten).

Er war wie viele Ober-Ingelheimer Türme ein Vorlageturm vor der Mauer im Graben, der unter den heutigen Häusern verlaufen sein muss. Die Wehrmauer an dieser Stelle darf man sich nicht etwa an der Stelle der derzeitigen Grundstücksmauer vorstellen, sondern mitten auf der Straße, denn sein erhaltener Maueranschluss ragt in die Straße hinein.

Das zeigt, dass die Mauer schon so früh niedergelegt und der Graben verfüllt worden sein muss, dass sich neue, quer darüber verlaufende Parzellen ergeben haben, wie der Parzellenplan von 1848 zeigt.

Aus dem Jahr 1808 hat sich im Stadtarchiv (Rep. II/418) ein Gesuch eines Herrn Franz Rohleder erhalten, das vom Bürgermeister/Maire Werner, dem Gemeinderat und dem französischen Präfekten Jeanbon St. André in Mainz genehmigt wurde. Danach durfte er sich den Turm als Wohnung für seine Familiea ausbauen und für die ersten neun Jahre kostenfrei darin wohnen, danach mit einer geringen Miete. Im Jahr 1809 wurde der Turm bei seiner Erstvermietung zum ersten Mal "Schneckenturm" genannt.

Turm "Die Schnecke" im Unteren Zwerchweg; Foto: Gs

 

Nicht viel weiter nach Norden kreuzt die Hammergasse, wo das "Hammergässer Tor" stand.

Die Gasse wird mit ihren Häusern von Krämer ausführlich beschrieben (S. 47-53). Ihre Ersterwähnung fand er in einer Urkunde vomn 1213 (!) als "Hemmingazzin". Auch in dem Ausbaugesuch von 1808 und den Folgeerwähnungen wird sie noch stets als Hammengasse, also mit m statt r, bezeichnet. Das r ist also erst im Zuge der Verhochdeutschung im 19. Jahrhundert hineingeraten, ähnlich wie damals aus der jahrhundertealten "Uffhub" die "Aufhofstraße" gemacht wurde.

Auf der Hammergasse, die in ihrer Fortsetzung nach Westen "Schützenpfad" genannt wurde (nicht identisch mit dem heutigen Schützenpfad!), konnte man Ober-Ingelheim in Richtung Schießgelände (s. Schützenhaus!), Griesmühle und Frei-Weinheim verlassen. Sie verlor aber später an Bedeutung gegenüber der Altegasse, sodass ihr Tor wohl relativ früh abgerissen wurde. Auf der Katasterkarte von 1848 ist keine Tor- oder Torhaus-Parzelle mehr eingezeichnet.

Es muss nach dem Mauerverlauf am Westrand dieser ungleichmäßigen Kreuzung von Hammergasse und Mühlstraße/Unterer Zwerchweg gestanden haben. Über das Aussehen der Pforte ist nichts bekannt.

Die Wehrmauer zog sich von hier aus weiter ein Stück nach Norden an der Mühlstraße entlang, um gleich jenseits der Gärtnerstraße nach rechts hinauf zum Turm an der Bahnhofstraße abzubiegen (schöner Fußweg!).

Kreuzung Hammergasse - Zwerchweg/Mühlstraße; Foto: Gs

 

Gs; erstmals: 20.10.20; Stand: 30.11.20