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20. St. Jodokus im Spitalgässchen

 

Autor und Fotos: Hartmut Geißler
unter Benutzung von Pia Steinbauer, in: Heimat am Mittelrhein, AZ Ingelheim 27.06.2015, S. 28
und Seite 192 aus 50 Jahre Stadt Ingelheim am Rhein, BIG 38, 1991 (Autor nicht angegeben)



 

 

Etwa auf hälber Länge der Rinderbach-Gasse zweigt in Richtung Burgkirche eine kleine Sackgasse ab, die heute mit den Hausnummern 20-26 zur Rinderbachstraße zählt, auf deren früheren Namen - "Spitalgässchen" - aber ein Schild hinweist:

 

 

 

Es führt zum Standort des ehemaligen Spitals St. Jodokus (St. Jost), einer Adelsstiftung wohl aus dem späten 13. Jh. Der Heilige Jodokus, ein Klostergründer, Einsiedler und Pilger, der im 7. Jahrhundert im heutigen Nordfrankreich lebte, wurde als Schutzpatron der Kranken und Genesenden verehrt.

Reste des Chorteils der Spitalkapelle sollen sich noch im stark renovierungsbedürftigen Bau links abzeichnen.

Ihre Funktion als Kirche wurde bei der Reformation 1565 aufgehoben. Das Spitalgebäude selbst jedoch diente weiter bis zur französischen Zeit um 1800, als ihm die Einnahmen weggenommen wurden, als Armen- und Pflegeherberge für Kranke, Waisen, Alte, Pilger und andere Durchreisende sowie für Pensionäre, die sich mit einer Schenkung dauernde Unterkunft und Pflege gekauft hatten („Pfründner“).

Das Glöckchen, das auf der Spitalkapelle hing, wurde noch längere Zeit zum Schröterläuten benutzt: Wenn Wein geladen werden sollte, wurden die Schröter, die die Fässer aus den Kellern rollten und auf Wagen luden, damit zusammengerufen. 1827 wurde es als Uhrenglocke im neu errichteten Rathaus aufgehängt und 1942 zu Kriegszwecken abgegeben.

Zum Gedenken an St. Jost wurde am 24. September in der Rinderbachgasse das St. Jost - Kirchweihfest begangen, das auch nach der Reformation weiter am letzten Sonntag im September gefeiert wurde. Damit ist das Rotweinfest indirekt die Fortsetzung dieser St. Jost-Kerb.

 

Gs, erstmals 21.10.20; Stand: 23.10.20