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Die Erbfolgeregelungen Ludwigs des Frommen


Reichsteilung oder Reichseinheit? Die Erbfolgeregelungen

Autoren: Margarete Köhler und Hartmut Geißler


Keine Reform, die unter Ludwig in Angriff genommen wurde, hatte aufgrund ihrer inkonsequenten Umsetzung in der Folgezeit solche Auswirkungen wie die Erbfolgeordnung des Jahres 817. Das fränkische Großreich sollte zwar im Ganzen von einem einzigen Herrscher regiert werden, so zumindest das große Ziel des Kaisers und seiner Berater. Gleichwohl sollten Teilreiche unter seine Söhnen aufgeteilt werden.


Reichsteilung

Die fränkischen Könige regelten seit jeher ihre Nachfolge gemäß den traditionellen Rechtsvorstellungen der Germanen. Alle legitimen Söhne wurden beim Erbe zu gleichen Teilen bedacht, was schon in der Zeit der Merowinger zu Gebietsteilungen und häufig zu blutigen Konflikten innerhalb der Familie geführt hatte. Karl der Große wollte mit seiner Nachfolgeregelung des Jahres 806 hauptsächlich den Fortbestand seiner Dynastie sichern. Seinen Wünschen gemäß sollte das Reich unter seinen drei Söhnen aufgeteilt werden. Für die wichtigste Frage - aus unserer heutigen Sicht - fand er jedoch keine Lösung: Wer sollte ihm als Kaiser im Frankenreich nachfolgen? Diese Entscheidung erübrigte sich schließlich, weil zwei von Karls Söhnen noch zu seinen Lebzeiten starben und nur noch Ludwig übrig blieb.


Reichseinheit

Als Alleinherrscher beschäftigte sich auch Ludwig schon früh mit der Frage seiner Nachfolge. Alle drei legitimen Söhne sollten versorgt werden. Das Ergebnis unterschied sich jedoch völlig von dem damals Üblichen. Im Gegensatz zu seinem Vater beschloss Ludwig, das Reich nicht aufzuteilen. Sein ältester Sohn Lothar wurde nämlich zum Mitkaiser erhoben und damit für die alleinige Nachfolge bestimmt. Die jüngeren Söhne Ludwig und Pippin sollten Unterkönige in Bayern und Südfrankreich sein. Beide konnten ihre Gebiete relativ autonom verwalten, waren in Außenbeziehungen aber vom Bruder abhängig. Wie 806 auch wurden in der Ordinatio imperii (817) detaillierte Bestimmungen für den Fall des vorzeitigen Todes eines Bruders getroffen. Im Vordergrund der Regelung stand nicht mehr die Erhaltung der Dynastie. Die Einheit des Reiches war für Ludwig und seine kirchlichen Berater weit wichtiger. Man vertrat den Anspruch eines universellen, unteilbaren christlichen Reiches mit einem von Gott eingesetzten Herrscher an der Spitze.

Machtkämpfe der Söhne

824 wurde in Ludwigs zweiter Ehe mit der jungen Judith sein vierter Sohn Karl (der Kahle) geboren. Ein weiterer Erbberechtigter war in der Regelung von 817 jedoch nicht vorgesehen. Unter dem Einfluss dieser seiner zweiten Frau wurde Karl nun mit Gebieten aus dem Erbteil Lothars ausgestattet. Nach dessen offener Empörung und Verbannung nach Italien kam es 830 zur Revolte gegen Ludwig. Nicht die Söhne, sondern die Verfechter der Reichseinheit, so eine Interpretation der Vorgänge, setzten den Kaiser und seine Gemahlin kurzzeitig gefangen. Zwar blieb Ludwig Regent, musste jedoch Lothar wieder als Nachfolger einsetzen.

Die folgenden Jahre sind von wechselnden Bündnissen innerhalb der Familie gekennzeichnet, bis Ludwig zusammen mit seinem Sohn Karl 833 abgesetzt und Lothar zum neuen Kaiser erhoben wurde. Dieser regierte aber nur knapp ein Jahr, dann gelangte sein Vater wieder an die Macht.

Erst eine Seuche in Italien klärte die Lage. Mit dem Großteil der adligen Anhängerschaft Lothars wurde dessen Machtbasis dahingerafft. Ludwig erhob Karl daraufhin 838 in Gebieten Lothars zum Unterkönig. 

Aus den Kämpfen der Söhne, die den Tod des Kaisers 840 in Ingelheim überdauerten, gingen Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle als Sieger hervor. Denn obwohl Lothar als vorgesehener Nachfolger 840 tatsächlich die Regierung in Aachen übernahm, setzten sich die Konflikte mit seinen Halbbrüdern (und deren Kindern) um Teile des Reiches fort. Sie mündeten schließlich in weitere Reichsteilungen, von denen der Vertrag von Verdun 843 die Weichen stellte für die spätere Entstehen von Frankreich und Deutschland.

Literatur

Grundlage dieser Darstellung ist der Wandtext zur Ausstellung "Ludwig der Fromme in Ingelheim", Museum bei der Kaiserpfalz, 14.10.01 bis 11.11.01. Wer mehr dazu aus einer aktuellen Veröffentlichung erfahren will, der sei auf die Biografie Einhards von Steffen Patzold ("Ich und Karl der Große", 2014) verwiesen, die indirekt zugleich eine durch Quellen genau belegte Darstellung des Lebens Ludwigs enthält.

 

 

Gs, erstmals: 05.08.05; Stand: 31.01.17