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Die ehemalige reformierte Kirche

(heute Feuerwehrgebäude, Oberhofstraße)

Autor und Foto: Hartmut Geißler
nach dem Text der Stationstafel

 


Die kurpfälzischen Herrscherbedingungen führten den Ingelheimer Grund und damit auch seine ehemaligen Reichsdörfer bereits früh auf die Seite der Reformation. Deren Folgezeiten brachten weitere, vielfach wechselnde Verhältnisse und entsprechende Kontroversen. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde Groß-Winternheim calvinistisch, 1685 bis 1705 galt die Situation eines Simultaneums (d.h. Protestanten und Katholiken mussten sich die Kirche und ihre Einkünfte teilen).

Danach behielten die Katholiken das herkömmliche Gotteshaus. Den Reformierten blieb, sicher unzureichend, ein alter Rathaussaal. Unter größten Anstrengungen wurde (1740-) 1747 die Errichtung eines bescheidenen (barocken) Kirchleins unternommen - in den Chroniken als Notlösung "ohne jegliche stilistische Gliederung und monumentale Festigkeit" beschrieben.

Das Gotteshaus wurde vom Maurermeister Jakob Stierle aus (Sauer-) Schwabenheim nach Rissen erbaut, die in der Amtsstadt Oppenheim angefertigt wurden.

Aufriss um 1740, aus Krienke

 

140 Jahre diente diese so ihrer Bestimmung, dann befand sich das Gebäude im Zustand stärkster Hinfälligkeit. Die Höhe der Reparaturkosten ließen 1886/87 Pläne zur Realisierung eines würdigen Neubaus aufkommen...
(Als die neue evangelische Kirche 1888 fertig war, wurde dieses Gebäude 1889 versteigert.)
Heute sichert eine Nutzung durch die Ortswehr dem wichtigen religionsgeschichtlichen Objekt alle erforderliche kommunale Fürsorge...


Diese Kirche wurde 1747 anstelle der St. Michaelskapelle (erstmals 1427 erwähnt) errichtet, die wahrscheinlich wie die gleichnamigen Michaelskapellen in Ober- und Nieder-Ingelheim als Beinhaus diente.

 

 

 

 

 

 

Auf einem kleinen Platz zwischen dieser und der katholischen Kirche steht ein Kriegerdenkmal für den Krieg 1870/71 mit einer Germania-Figur, deren Schwert in ihrer rechten Hand z. Z. fehlt.

Dies ist wahrscheinlich auch der Platz der Linde, unter der im Mittelalter das Ortsgericht tagte.

 


Gs, erstmals: 25.02.06; Stand: 06.03.17