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Die Biblia Hebraica


Autoren: Margarete Köhler und Hartmut Geißler


Vor dem Hintergrund des Humanismus gewann im 16. Jahrhundert das Studium der hebräischen Sprache besondere Bedeutung. Sebastian Münster war als Hebraist bestrebt, sein Wissen durch enge Zusammenarbeit mit gelehrten Juden zu vertiefen. Er besuchte z. B. häufig jüdische Gottesdienste in Synagogen und pflegte einen regen Gedankenaustausch mit Elia Levita.

Links: Die Sprüche Salomons (Proverbia Salomonis), neu nach der hebräischen Urschrift übersetzt und mit Anmerkungen versehen, von Sebastian Münster.
Darunter das Verlagslogo von Froben in Basel
© Hist. Verein Ingelheim / Museum bei der Kaiserpfalz; Foto: Geißler

Die christliche Hebraistik hatte nach Münsters Auffassung keinen Selbstzweck, sondern sollte der Theologie dienen. Seine Biblia Hebraica, in der rabbinische Elemente zu finden sind, muss als die Krönung seines hebraistischen Schaffens angesehen werden.

Er hatte sich für eine wörtliche lateinische Übersetzung des hebräischen Originals entschieden, weil er die von ihm in der kirchlichen Vulgata entdeckten Fehler vermeiden wollte.

Zunächst fand Münsters Bibel in den Fachkreisen aller Lager positive Beachtung. Im Laufe der Zeit brachte ihm aber die große Anerkennung von evangelischer Seite den Ruf eines Häretikers bei der katholischen Kirche ein. Die Kritik der puristischen Lateiner konzentrierte sich auf sprachliche Hebraismen, während die Theologen die exegetischen Rabbinismen beanstandeten. Besonders Luther sparte nicht mit herber Polemik. Münster ließ sich jedoch, wie die zweite Auflage zeigt, in seiner Auffassung nicht beirren.

Von den zahlreichen philologischen Hilfsmitteln, die zu solchen Übersetzungen und zum Studium der Hebraistik nötig waren, sei hier folgend Münsters hebräisches Wörterbuch abgebildet, das "Dictionarium Hebraicum", erschienen in der 2. Auflage bei Johannes Froben, Basel, 1525; © Hist. Verein Ingelheim / Museum bei der Kaiserpfalz; Foto: Geißler


Übersetzung (Geißler):

Hebräisches Wörterbuch, gesammelt aus Kommentaren der Rabbiner und mit den aramäischen (= "chaldäischen") Wörtern, die in der Bibel gebraucht werden, vom Autor Sebastian Münster nicht nur von neuem erweitert, sondern auch durch viele Änderungen durchgängig verbessert, so dass durch diese Einfügung das Buch wie neugeboren und völlig neu erscheint.

Basel bei Jo. Froben, im Jahr 1525 im Monat November.



Gs, erstmals: 26.08.06; Stand: 28.02.17