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Oratio funebris - die Trauerrede zum Gedächtnis seines Lehrers Sebastian Münsters von Erasmus Oswald Schreckenfuchs


Autor: Hartmut Geißler


Im Todesjahr Sebastian Münsters 1552 gab sein Schüler, der Wiener Hebraist Erasmus Oswald Schreckenfuchs, in Freiburg ein Trauerrede auf seinen geliebten Lehrer heraus, die er vor einer Versammlung von Studenten und Professoren in Freiburg gehalten hatte, natürlich in Hebräisch.

Eine Übersetzung ins Lateinische ist anscheinend nie versucht worden, so dass die Schrift, die nur in wenigen Exemplaren erhalten ist, vierhundert Jahre lang weitgehend unbeachtet blieb. Im Jahre 1960 konnte endlich der Historische Verein Ingelheim diese Rede in deutscher Fassung in seiner Reihe "Beiträge zur Ingelheimer Geschichte", Heft 12, herausgeben, und zwar nach der Übersetzung des hebräischen Originals ins Englische von Rabbiner Elvin I. Kose, Temple Beth Shalom Union, New Jersey, mit einem Vorwort und Anmerkungen von Harold L. Ruland, Union High School, Union, New Jersey, und dies alles in einer Übersetzung ins Deutsche von Ernst Emmerling, unterstützt von Karl Heinz Burmeister und Günter Mayer.

Diese Schrift ist vergriffen, kann aber abgescannt in einer elektronischen Fassung gegen eine Schutzgebühr beim Historischen Verein Ingelheim auf CD erworben werden, nur zum persönlichen Gebrauch und nicht zu kommerziellen Zwecken.


Links ein Portrait von Schreckenfuchs, aus dem Werk Icones von Nikolaus Reusner, Straßburg 1557 (aus BIG 12, S. 21), und rechts der hebräisch-lateinische Titel des Werkes (S. 4). Fotos: Geißler

Ins Deutsche übersetzt bedeutet der lateinische Text:

"Totenrede, die der Magister Erasmus Oswald Schreckenfuchs, Mathematik- und Hebräischprofessor in Freiburg im Breisgau, über den Heimgang seines hochgelehrten Lehrers, des Herrn Sebastian Münster, gehalten hat." (Gs.)

Die Rede zeichnet sich durch einen sehr panegyrischen Stil aus, der von vielen biblischen Zitaten durchzogen ist, offenbar stark am sprachlichen Vorbild der hebräischen Bibel orientiert.

Sie ist zugleich aber eine zeitgenössische Quelle aus erster Hand, von einer Person, die als Schüler den Lehrer gut kannte und daher eine große Menge an persönlichen Einzelheiten berichten kann, freilich weniger, als sich ein forschender Historiker wünschen würde.

So erwähnt er zwar, dass Münster in Ingelheim von einem Lehrer unterrichtet wurde, äußert sich zu seinem Namen aber nur so: "Sein Name war So-und-so." (S. 8)

Auch den Namen der ersten Hochschule, an den ihn die Eltern schickten, nennt er leider trotz mancher anderer Einzelheiten nicht (S. 9: "auf irgendeine Universität"), so dass die allgemeine Vermutung, es sei Heidelberg gewesen, durch Schreckenfuchs leider keine Stütze erfährt.

Die angeblich nächste Hochschule, Löwen in Belgien, wird dagegen namentlich festgehalten. Seltsam und unerklärlich. Lag es an den Wirren der Reformation, die ihn Heidelberg verschweigen ließen?

Im Anhang gibt es
- eine kommentierte genealogische Übersicht
- Bemerkungen zum Bildungsgang Münsters
- eine vierseitige Tabelle über seine Zeitgenossen
- eine Aufstellung von Münsters Bibelausgaben
- desgleichen von der Kosmographie
- ein Kapitel über den Bauernkrieg aus der Kosmographie
- ein Kapitel über Münsters Lehrer Gregor Reisch
- ein Kapitel über die Hebraisten des 16. Jahrhunderts
- ein Kapitel über den Autor Schreckenfuchs

sowie eine umfangreiche Bibliographie zu Sebastian Münster von 1850 bis 1960, zusammengestellt von Karl Heinz Burmeister.

 

Gs, erstmals: 28.12.07; Stand: 28.02.17