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Christliches Nordgallien in der Spätantike

(5. und 1. Hälfte des 6. Jhs.; aus: Frankenkatalog I, S. 67)

Autor: Hartmut Geißler

Auf dieser Karte sind die Funde christlicher Grabsteine und der Raum mit kontinuierlich besetzten Bistümern eingezeichnet:
1 = ein Exemplar (z.B. im Raum Alzey)
2 = zwei bis vier Exemplare (z.B. in Bingen)
3 = fünf und mehr Exemplare (z.B. in Mainz und Trier)
4 = Gebiet, in dem christl. Grabsteine häufig vorkommen (z.B. im Raum Koblenz)
5 = Raum mit kontinuierlich besetzten Bistümern (nicht in Mainz, Worms, Speyer)
6 = Umgrenzung des Raumes, in dem christliche Grabsteine regelmäßig angetroffen werden

Das bedeutet für Ingelheim, dass unser Raum zwar in einer Region lag, in der es in der Endphase des Römischen Reiches noch Christen gegeben haben könnte, aber vermutlich mit einer Diskontinuität nach dem Hunnensturm. Freilich konnten sich christlich-romanische Familien auf dem Lande - falls es sie gab - in den ärmlichen Verhältnissen des 4. und 5. Jahrhunderts sicherlich keine Grabsteine (mehr) leisten, die sich erhalten hätten.

Anders war das in Städten und Kastellen, so in Mainz, wo noch in spätrömischer Zeit (1. H. d. 5. Jhs) über dem Grab des Märtyrers und Mainzer Priesters St. Alban, der möglicherweise in der Neujahrsnacht 406/07 umgebracht wurde, eine gut gemauerte Gedächtniskirche errichtet wurde und wo man auch in anderen Nekropolen spätrömisch-christliche Grabsteine fand. Und in Trier, der einstigen kaiserlichen Residenzstadt, hielt sich das Christentum in der Spätantike sehr viel stärker und kontinuierlich.

Walburg Boppert schreibt in "Die Römer in Rheinland-Pfalz" in ihrem Beitrag "Die Anfänge des Christentums": "Der Zusammenbruch der römischen Herrschaft traf die junge Kirche in der Rheinzone viel stärker als die Trierer Kirche. In den rheinischen Bistümern Mainz, Worms und Speyer bricht im Gegensatz zu Trier die Bischofsliste ab und wird erst in merowingischer Zeit wieder fortgesetzt. Die Trierer Kirche leistete in der Zeit des Übergangs, als die kirchliche Organisation in Mainz gelähmt war, am nördlichen Mittelrhein Seelsorge und Missionierungshilfe. Dabei gelang es ihr, ihre Grenzen sogar über die spätantiken Provinzgrenzen auszudehnen. Die Kontinuität christlicher Gemeinden über das Ende der römischen Herrschaft bis in fränkische Zeit bezeugen frühchristliche Grabinschriften, die in Fülle aus Trier und den Städten und spätrömischen Kastellen an Rhein und Mosel überliefert sind." (S. 257)

 

Gs, erstmals: 03.08.05; Stand: 28.06.11