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Germanen im Römischen Reich


Aus: Die Römer in Rheinland-Pfalz, S. 166 - 168

 

"Neuere Untersuchungen haben gezeigt, wie stark das Gebiet zwischen Rhein und Mosel bereits seit dem 3. Jahrhundert von Germanen besiedelt war. Der erhebliche Bevölkerungsrückgang nach den Katastrophen von 275 und vor allem von 352-355 hatte die Ansiedlung germanischer Gruppen geradezu notwendig gemacht. Es hat vielfach den Anschein, als ob solche Germanen neben ihren Aufgaben im Heer auch für die Landwirtschaft eine wichtige Rolle spielten. Anders lassen sich die germanischen Funde in Gutshöfen oder deren Friedhöfen nicht erklären.

Die kleinen Militärposten nördlich der Mosel waren ebenso mit germanischen Soldaten besetzt wie die dichte Postenreihe am Oberlauf der Mosel bis Trier. Auch in den Höhensiedlungen der Pfalz sind Germanen bezeugt.

Nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten müssen die Germanen an ihrer besonderen Tracht zu erkennen gewesen sein, wie die Funde von Fibeln oder Halsringen vor allem in Gräbern - so etwa in Worms - zeigen. In die Zeit nach der großen Invasion von 407 führen einige bedeutende germanische Funde. Im Gräberfeld einer villa rustica bei Wolfsheim in Rheinhessen wurde im zweiten Drittel des 5. Jahrhunderts ein Angehöriger jener germanischen Führungsschicht mit Goldschmuck und Schwert bestattet, die am Hofe Attilas als die Auserwählten (logades) galten. Diese Gefolgsleute waren gotischer oder iranischer Herkunft und gehörten zur Oberschicht ihrer Stämme. Ebenso wie der reiche Krieger, der in Sichtweite zum antiken Nemetae/Speyer auf der rechten Rheinseite bei Altlußheim bestattet wurde, führt der Wolfsheimer Fürst in die Zeit nach der Zerschlagung des Burgunderreiches 436. Vielleicht hat Aëtius nach der Umsiedlung der Burgunder an den Genfer See Angehörige dieser hunnisch/ostgermanischen Führungsschicht samt ihren Kriegern als Föderaten gewonnen. Eine unzweifelhaft hunnische Bestattung der gleichen Zeit ist in einem Brandgrab von Münstermaifeld mit einem hunnischen Bronzekessel als Urne zu erkennen. Aber dieser hunnisch/ostgermanische Einfluß bleibt nur eine Episode.

Um die Mitte des 5. Jahrhunderts lassen sich erste alamannische Siedler auf dem linken Rheinufer nieder. Vor allem im Umfeld der Städte sind Siedlungen und Gräberfelder dieser Zeit zuzuweisen. Dabei lassen sich seit 450 auch nordseegermanisch/sächsische Einflüsse erkennen, vermutlich ehemalige Föderaten in römischen Diensten. Bis um 500 kann man allerdings keineswegs von einer flächendeckenden alamannischen Landnahme sprechen.

Erst mit der Niederlage der Alamannen gegen die Franken 496 in der Schlacht bei Tolbiacum, das mit Zülpich in der Nordeifel gleichgesetzt wird, setzte eine breite germanische Besiedlung ein. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sich vereinzelt noch romanische Bevölkerungsrelikte in Stadt und Land gehalten. Im Moselgebiet dagegen läßt sich auch nach Ausweis der Namenskunde ein mehr oder weniger friedliches Nebeneinanderleben von Franken und Romanen noch bis weit in das 6. und 7. Jahrhundert hinein nachweisen."

 

Gs, erstmals: 25.07.05; Stand: 05.10.11