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Der lange Weg zu einer eigenen Schule in Sporkenheim

 

Autor: Hartmut Geißler
aus: Geißler, Volksschulgeschichte, BIG 56, S. 211-212

 

Die wenigen Sporkenheimer Höfe hatten es schwer, eine eigene Schule zu bekommen, damit ihre Kinder nicht mehr die weiten Wege nach Gau-Algesheim oder Frei-Weinheim laufen mussten, um eine Schule zu besuchen. Der Weiler gehörte zwar rechtlich zu Nieder-Ingelheim, aber die dortige katholische Schule bei der Remigiuskirche lag noch weiter entfernt (über eine Stunde einfachen Weges). Das war nicht nur für die Kinder selbst schwer zumutbar, vor allem bei schlechtem Wetter, sondern entzog sie auch durch die langen Wegezeiten der Einsatzmöglichkeit auf dem elterlichen Hof, sodass wahrscheinlich einige Eltern ihre Kinder gar nicht oder nur selten in eine entfernte Schule geschickt haben.

Seit mindestens 1853, als die Krise der Revolutionszeit überwunden war, gab es deshalb immer wieder Initiativen für eine Schule in Sporkenheim, die aber stets an der Finanzierungsfrage scheiterten. Am 16. Oktober 1860 wurde der Gemeinderat sogar von der Binger Kreisverwaltung mit Nachdruck aufgefordert, endlich tätig zu werden und Beschlüsse zu fassen.

Stadtarchiv Ingelheim Rep III 553

Die Transkription

Zu Nr. K. B. 276
Bingen, am 16. October 1860
Betreffend: die katholische Schule zu Sporkenheim in der Gemarkung Nieder-Ingelheim, Kreis Bingen

Das Großherzogliche Kreisamt Bingen an Großherzogliche Bürgermeisterei Nieder-Ingelheim

Indem wir Ihnen anbei nochmals unsere sämmtlichen Acten obigen Betreffs zugehen lassen, laden wir Sie ein, den Gemeinderath, mit Hinweisung auf die demselben unterm 28. v. Mts. (vorigen Monats) durch Großherzoglichen Regierungsaccessisten Dr. Braden in obigem Betreffe gemachten mündlichen Eröffnungen, nunmehr zu einer Beschlußfassung nach Maßgabe des sub 20 der Acten anliegenden Rescriptes (Rechtsentscheidung) Großherzoglicher Ober-Studien-Direction am 13. v. Mts. zu veranlassen. Den betreffenden Gemeinderathsbeschluß wollen Sie uns baldigst einsenden und gleichzeitig, daferne der Gemeinderath wider Verhoffen auf die Regelung im Sinne des erwähnten Rescriptes nicht eingehen sollte, Ihre Vorschläge bezüglich dieser Angelegenheit uns berichtlich mittheilen. Auch wollen Sie sich in Ihrem demnächstigen Berichte über die Seitens Großhzl. Ober-Studien-Direction am Schlusse des mehrerwähnten Rescriptes gestellte Frage, ob wohl die Überschüsse I. und II. Klasse auch künftig der Art sein werden, daß daraus die Kosten für die Schulen beider Confessionen bestritten werden können, äußern. Parcus

Anscheinend hatte ein Jurist (hier ein "Regierungsaccessist") am 28. September dem Gemeinderat schon die juristische Situation der Finanzierungszuständigkeiten erläutert, ohne dass der Gemeinderat zu einem Beschluss kam. Die genaueren Hintergründe dieses Streites sind unbekannt.

Der Gemeinderat blieb noch lange widerborstig; erst neun Jahre danach (1869) erfolgte sein Finanzierungsbeschluss unter Bürgermeister Weitzel (Protokoll erhalten), und danach dauerte es noch weitere vier Jahre, bis 1873 schließlich das Schulhaus mit Garten und Schulhof an der Südseite der Gaulsheimer Straße errichtet wurde (das spätere Feuerwehrhaus).

Sporkenheimer Schulgebäude um 1900 (Privatbesitz Hilgert)


Doch die finanziellen Proleme waren damit noch nicht beendigt. Denn der Gemeinderat von Nieder-Ingelheim erklärte sich am 24. Juli 1876 zwar bereit, auch die Kosten der Lehrmittel in Sporkenheim zu übernehmen, aber die Sporkenheimer sollten – anders als die Einwohner Nieder-Ingelheims – eigene Beiträge für ihren Lehrer zahlen (1878).

Die finanziellen Streitigkeiten zogen sich hin, so dass nur schlechter bezahlte Vertretungskräfte ("Schulverwalter") eingestellt werden konnten. Auch in den folgenden Jahren, so noch 1907, konnte der Unterricht dort nur durch solche Schulverwalter erteilt werden, was eine häufige Fluktuation und sicherlich nicht den besten Unterricht zur Folge hatte. Noch am 2. Dezember 1917 beschwerten sich die Sporkenheimer, dass ihre Schulverwalterstelle nicht wieder besetzt worden sei, so dass ihre Kinder eine Stunde lang nach Gau-Algesheim laufen müssten. Was ihnen schließlich zugewiesen wurde, war ein neuer Schulverwalter namens Sauer.

Die ehemalige Schule diente auch als Feuerwehrhaus (Privatbesitz Hilgert)


Gs, erstmals: 15.02.17; Stand: 20.02.17