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Heinrich III. Ostern in Ingelheim


Autor: Hartmut Geißler


Heinrich III.
aus dem fränkischen Adelsgeschlecht der "Salier", Sohn Kaiser Konrads II. und Giselas von Schwaben, wurde 1017 geboren. 1027 bis 1042 war er Herzog von Bayern, 1038 bis 1045 Herzog von Schwaben. Schon mit 11 Jahren ließ ihn sein Vater 1028 in Aachen zum deutschen Könige krönen. Zehn Jahre später wurde er König von Burgund, und 1039 trat er die Nachfolge seines verstorbenen Vaters an. 1041 unterwarf er Böhmen und zog Ungarn unter die Lehenshoheit des Reiches. Zeitweise verwaltete er auch noch das Herzogtum Kärnten (1041-1047).

Heinrich war einerseits zutiefst von religiösen Vorstellungen durchdrungen - der König als Stellvertreter Christi - und achtete streng auf die kanonischen Vorschriften. In seinem Sinne fanden um 1050 unter dem Papst Leo IX. mehrere Reformsynoden statt, die gegen Simonie (Ämterkauf) und Nikolaitismus (Priesterehe) vorgingen. Krone und Vortragekreuz wurden nun feste Bestandteile der Reichsinsignien.

Andererseits erregte er aber auch durch seine herrische, ja autokratische Art, mit der er den Frieden im Reich durchsetzen wollte, erhebliche Proteste, Widerstand und sogar Aufstände im Reich, in Lothringen, Sachsen und Süddeutschland. In Gedichten wird seine harte Haltung gegenüber dem Volke angeprangert. Im Jahre 1055 fiel er beinahe einem Anschlag zum Opfer.

Am 5. Oktober 1056 starb er überraschend mit 39 Jahren in der Königspfalz Bodfeld im Harz. Während sein Herz und seine Eingeweide auf seinen Wunsch hin im Pfalzstift St. Simon und Juda in Goslar bestattet wurden, wo er die prächtigste Pfalz seiner Zeit hatte bauen lassen, wurde sein Leichnam im soeben fast fertiggestellten großartigen Grablegedom der Salier in Speyer beigesetzt, der damals größten Kirche der abendländischen Christenheit, die er um ein Drittel hatte verlängern lassen.

Ein Drittel des neuen Langhauses war als Grablege vorgesehen, die zusammen mit den Seitenschiffen noch für die Königsgräber von Jahrhunderten ausgereicht hätte. Heinrich investierte also sehr viel in Goslar und in Speyer, aber nicht in Ingelheim.

Nach seinem Tod ließ der Bischof von Speyer die Grablege wieder umbauen und verkleinern.

 

Das letzte Osterfest eines Königs in Ingelheim

Der "Annalista Saxo" (MGH SS VI, S. 684) berichtet über die ersten Aktivitäten König Heinrichs nach seiner Regierungsübernahme ("novus rex"), nachdem sein Vater Konrad überraschend am 4. Juni 1039 in Utrecht gestorben war:

A. d. i. 1040. Novus rex incarnationem Domini Ratispone decenter peregit, et purificationem sancte Marie Auguste degens, placitum habuit cum Cisalpinis principibus de rei publice stabilitate, cunctisque pro velle dispositis, Franciam repetens, tempus quadragesime iuxta Rhenum in locis oportunis consedit. Pascha vero in Engelenheim honorifice feriavit; ubi ad eum primates Burgundie humiliter cum muneribus venerunt, qui inde leti gratia ipsius simul et muneribus condonati redierunt. Illuc etiam post pascha metropolitanus Mediolanensis adveniens, et de omni sua controversia, quam contra inperatorem Conradum exercuit, satisfaciens, interventu principum gratiam regis promeruit, et iterum iuramentis pacem fidemque se servaturum affirmavit, sicque regem Agrippinam prosecutus, inde ad patriam cum pace simul et gratia regis remeavit. Rex ascensionem Domini Niumago, pentecosten vero Leodio celebravit.

Im Jahre 1040: Der neue König feierte, wie es sich geziemte, Weihnachten, und zwar in Regensburg, und während er das Fest der Reinigung der hl. Maria (Purificatio Mariae, Mariae Lichtmess, 2. Februar) in Augsburg beging, hielt er einen Hoftag mit den Adligen südlich der Alpen ab, über den Zusammenhalt des Reiches; und nachdem alles, wie man es wollte, beschlossen war, zog er nach Franken und hielt sich die Fastenzeit über am Rhein an geeigneten Orten auf. Ostern aber feierte er ehrenvoll in Ingelheim. Hierhin kamen zu ihm die Obersten von Burgund untertänig mit Geschenken; sie kehrten von hier zugleich froh über seine Gunst und mit Geschenken zurück. Hierhin kam auch nach Ostern der Erzbischof von Mailand, rechtfertigte sich für seinen ganzen Streit, den er mit Kaiser Konrad austrug, und errang durch Fürsprache der Adligen die Gunst des Königs und versicherte erneut durch Eide, Frieden und Treue zu bewahren. Und so begleitete er den König nach Köln, von wo er wieder in seine Heimat zurückkehrte, in Frieden und mit der Gunst des Königs. Christi Himmelfahrt feierte der König in Nimwegen, Pfingsten aber in Lüttich/Liège. (Gs)

Drei Orte werden besonders herausgehoben: Regensburg, wo er Weihnachten feierte, Augsburg, Ort eines der regelmäßigen Hoftage ("placitum") anlässlich von Mariae Lichtmess, und Ingelheim. In der 40tägigen Fastenzeit davor hielt er sich an verschiedenen Orten am Rhein auf, da wo es günstig ("opportunis") war. Möglicherweise kam er also erst zu Ostern nach Ingelheim.

Hier feierte der König das Osterfest "honorifice", also "ehrenvoll". Dieses Wort wurde von den damaligen Autoren meist in dem Sinne verwendet, dass eine Person "ehrenvoll" aufgenommen, weggeschickt oder bestattet wird, also in Bezug auf Personen; der Poeta Saxo verwendet es aber gelegentlich auch für das Feiern kirchlicher Feste. Was ist damit gemeint? Vielleicht weniger, dass man das christliche Fest ehrenvoll begeht, sondern dass der unter der Königskrone feiernde König dabei ehrenvoll behandelt wurde.

Mit einem allgemeinen Hoftag wie bei Augsburg war dieses Osterfest aber anscheinend nicht verbunden, sondern in Ingelheim suchte ihn der Hochadel Burgunds auf und erneuerte unter gegenseitigen Geschenken sein (vorher fragliches) Treuegelöbnis. Nach Ostern kam auch noch der Erzbischof von Mailand hinzu, um die Konflikte auszuräumen, die zwischen ihm und Heinrichs Amtsvorgänger Lothar bestanden hatten. Es wurde also hohe Reichspolitik in Ingelheim gemacht.

Das Wort "palatium" hierbei eigens zu verwenden, war für den Annalista Saxo wahrscheinlich überflüssig, weil es sich von selbst verstand. In Urkunden war der Begriff "palatio" im Übrigen schon lange, seit Otto II., nicht mehr gebräuchlich.

Die Ingelheimer Pfalz (ebenso im weiteren wie im engeren Sinne) besaß offenbar auch unter Heinrich III. noch eine bedeutende Funktion. Es war allerdings das letze Osterfest, das hier gefeiert wurde.


Gs, erstmals: 18.10.14; Stand: 02.02.17 (Mariae Lichtmess)