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Die Situation des Lehrers Fellmende 1728

 

Autor: Andreas Saalwächter (†), S. 83

 

89. Das reformierte Schulhaus.

I. Beschr[eibung]: Es stand Ecke Wilhelm- und Kirchstraße, diente bis zur Erbauung des neuen Schulhauses im Jahre 1877 nur Schulzwecken und wurde dann verkauft.

II. Gesch[ichte]: Im Jahre 1649 lieferte die Gemeinde Ober-Ingelheim dem Schulmeister zu Frei-Weinheim eine Ohm Wein. Aus welcher Veranlassung es geschah, ist nicht vermerkt. Von 1707 bis 1728 diente das Wohnhaus des reformierten Ratsverwandten (Gemeinderatsmitglied) Filbert zu Frei-Weinheim als Schulhaus. Filbert mußte jedoch, als seine Kinder sich verheirateten, die Benutzung aufkündigen, wodurch die Gemeinde in große Bedrängnis kam.

Lehrer war damals Christian Fellmende, der so schlecht besoldet war, daß er Hunger litt und körperlichen Schaden nahm. Auf eine Anfrage des reformierten Kirchenrates zu Heidelberg berichtete der Ober-Ingelheimer Pfarrer Knochel am 17. Juni 1728:

„So hat Christian Fellmende, Schulmeister des Filials Frey-Weinheim, des Schuldienstes ohne die geringste Besoldung bei 12 Jahr lang sehr getreu und fleißig und daher zu nicht geringer Erbauung der Jugend gewartet, blößlich gegen die von der Gemeind ihm gestellte Wohnung und versprochener vier Malter Korn, die aber die kleine Gemeind selbst äußerster Armut wegen noch dazu niemalen völlig eingegangen, bis ihme vor etlichen Jahren mittelst den viel vermögenden Interventionen Herrn Inspectorii Breuels jährlich 5 Malter Korn ad interim bis auf weitere Verordnung von einer hochlöblichen Administration seind zuerkannt und aus der Schaffnerei Nieder-Ingelheim gereicht worden. Welche nebst dem puren Rheinwasser sein und seiner seither angewachsenen Familie einzig bisherige Nahrung gewesen, wobei er aber an der Constitution seines Leibes solcher gestalten miserable worden, daß derselbe nunmehr wohl mit Recht ein würdiges misericordiae objectum (ein Gegenstand des Mitleids; Gs) seyn mag. Sollte er noch vor seinem vielleicht nicht mehr fern seyenden Ende mit einem ordentlichen salario (Gehalt; Gs) begnadigt werden können, gleich dann unterhänig darum von seinetwegen hiebei angehalten haben wollten, so versicheren, daß es würdiger nicht verwendet werden könne" (Evgl. Pfarramt O.-Ingelh., Protokoll der von hochlöbl. Kirchenrat ergangenen Schreiben 1704-1797, Bl. 66).

 

Gs, erstmals 29.04.2014; Stand: 30.04.2014