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Das fränkische Gräberfeld III in Ingelheim


Autor: Hartmut Geißler
nach: Astrid Wenzel, Ausstellungskatalog S. 184/185
und nach Mitteilungen von Holfer Grewe 2017


1978/79 wurden rund 160 Gräber im Bereich von Rotwein-/Stevenagestraße archäologisch untersucht. Astrid Wenzel schätzt aber die Gesamtzahl der Gräber aus der Zeit vom 5. bis 7. Jahrhundert in diesem Hofstellenbereich auf 800 bis 1000 Gräber.

Mittlerweile haben weitere Grabungen unter Holger Grewe stattgefunden, der dieses Gräberfeld als das wahrscheinlich größte in Rheinland-Pfalz einschätzt, das sich nach den bisherigen Funden etwa von der Friedensallee bis zur San Pietro-Straße und von der Rotweinstraße bis zur Wilhelm-Leuschner-Straße erstreckt.

Dieses Gräberfeld III ist - neben den Grabungen um die Remigius-Kirche - das einzige in Ingelheim, bei dem planmäßige Grabungen durchgeführt werden konnten; die Funde aus anderen Gräberfeldern beruhen auf zufälligen Einzelfunden weniger Gräber (Gräberfeld I in Frei-Weinheim, Gräber bei der Burgkirche).

Fränkische Gräber jener Epoche waren ausnahmslos Körpergräber in West-Ost-Richtung und Rückenlage (Kopf im Westen), z.T. mit Steinen ausgekleidet und mit Steinplatten überdeckt. Holzspuren sind aufgrund der geologischen Situation Ingelheims kaum mehr zu finden. Die Verstorbenen wurden in ihrer üblichen Kleidung bestattet, mit signifikanten Attributen wie Waffen bei Männern und Schmuck bei Frauen.

Leider aber sind viele Grabbeigaben aus Gräbern des 7. Jahrhunderts schon durch (frühmittelalterliche) Grabräuber entwendet worden, so dass viele Gräber nur unvollständig erhalten sind. Diese offenbar weit verbreiteten systematischen Grabräubereien erfolgten wahrscheinlich nach der Verlegung der Bestattungen von den außerörtlichen Friedhöfen zu den neu geschaffenen Kirchhöfen hin, also nach dem Bau von Kirchen.

Insgesamt lassen aber die erhaltenen Grabbeigaben darauf schließen, dass diese fränkischen Bauern des sechsten, siebten Jahrhunderts – zumindest ihre Oberschicht – doch nicht ganz so „primitiv“ waren, wie man denken mag; einiges deutet sogar auf einen bescheidenen Wohlstand hin.

Die Abbildungen aus dem Katalog zeigen das nördliche und das südliche Gräberfeld:

 

Gs, erstmals: 27.12.07; Stand: 26.08.17