Sie sind hier:   Erster Weltkrieg und Weimarer Republik > Wirtschaftsentwicklung

Das Wirtschaftsleben in Ingelheim 1914 - 1933


Autor: Hartmut Geißler

Die Zitate sind der Ingelheimer Chronik entnommen.

 

Inhalt:

1. Während des Krieges
a) Landwirtschaft
b) Handwerk, Industrie und Handel
c) Versorgung der Bevölkerung

2. Nach dem Krieg
d) Landwirtschaft
e) Handwerk, Industrie, Handel und Arbeitsmarkt
f) Versorgung der Bevölkerung
g) Wirtschaftliche Situation der Gemeinden

 

1. Während des Krieges

a) Landwirtschaft

"15. August 1914 - O.-I. Die Landwirte werden ersucht, kein Schlachtvieh an auswärtige Metzger zu verkaufen. Das edle Obst von Ingelheim findet jetzt bei den durchziehenden Truppen die beste Verwendung."

"11. Mai 1915 - N.-I. Weinpreise. Bei freihändigem Verkauf erzielten 7 Stück Portugieser zu 750 Mark per 1.200 Liter, 7 Stück 1914er Frühburgunder für 1.200 Mark bzw. 1.165 Mark (4 davon gingen an den Bremer Ratskeller) und für mehrere Stück 1913er Weißweine wurden 670 bis 700 Mark erzielt je 1.200 Liter Wein."

"9. März 1916 - Hausschlachtungen. Die Ansicht weiter Kreise der Landwirtschaft, daß ihre Viehbestände demnächst beschlagnahmt würden, ist unzutreffend. Auch ein allgemeines Verbot des Hausschlachtens ist nicht in Aussicht genommen..."

"11. April 1916 - N.-I. Für die Ölversorgung. Die Gemeinde hat der Volksschule Nieder-Ingelheim zur Erstellung einer großen Sonnenblumenpflanzung ein großes Stück Land zur Verfügung gestellt. Der Samen wurde vom Kreisamt gestellt. Schulkinder nehmen die Pflanzung vor."

"30. November 1916 - Das Abliefern der Kartoffeln durch die Landwirte ist sehr zögernd. Der Kommunalverband Mainz, der dies kritisiert, weist darauf hin, daß der Ablieferungstermin nicht im Ermessen des Landwirts steht. Es wird die Abgabe aller nicht für den Selbstverbrauch bestimmten Kartoffeln gefordert. Verboten ist die Verfütterung von Speisekartoffeln. Zur Durchsetzung der Anordnungen wird militärischer Zwang ausgeübt."

"5. Juli 1917 - O.-I. Heidelbeersuche. Um Heidelbeeren zu pflücken, fuhren etwa 80 Frauen und Mädchen für einen Tag in den Ingelheimer Wald und kamen zum Teil mit beachtlichen Mengen zurück."

"6. Dezember 1917 - Tolle Weinpreise. im Freihändigen Weingeschäft in Rheinhessen wurden für das Stück 1917er 4.800 bis 6.000 Mark erlöst, während Rotweine sich auf 5.600 Mark bis 6.000 Mark stellten. Die Umsätze sind bedeutend."

"29. Juni 1918 - Sensationelle Bodenpreise. Früher nie für möglich gehaltene Phantasiepreise für Weinberge werden in vielen Gegenden Rheinhessens infolge der hohen Weinpreise gezahlt. In der Alzeyer Gegend wurden bei Grundstücksversteigerungen pro Morgen 8.000 bis 9.000 Mark bezahlt, für Ackerland legt man bis zu 4.000 Mark an."

b) Handwerk, Industrie und Handel

"21. August 1915 - N.-I. Ein Ausschuß für die Beschaffung von Heimarbeit für die Frauen der zu den Fahnen Einberufenen wurde gegründet. Es gibt 71 Heimarbeiterinnen, wovon 56 sich mit Näh- und 15 mit Strickarbeiten befassen."

"18. März 1916 - O.-I. Metallbeschlagnahmung. Die Menge der abgelieferte Haushaltsgegenstände und des Altmetalls betrug 3.800 Kilo, wovon allein 3.000 Kilo auf die Kupferkessel entfallen, die aus fast jedem Hause abgeliefert wurden. Unter Androhung der Strafbestimmungen wird auf den Ablauf der Ablieferungsfrist aufmerksam gemacht."

"8. Juli 1916 - N.-I. Herr Kommerzienrat Albert Boehringer, der in sozialpolitischer Hinsicht schon so oft bahnbrechend vorging, hat seiner gesamten Arbeiterschaft Teuerungszulagen gewährt und in seinen Büros die durchgehende Arbeitszeit eingeführt. Des Samstagsfrühbeschlusses erfreuen sich die Angestellten schon seit Jahresfrist. In ganz besonders anerkennenswerter Weise sorgt der Kommerzienrat für die Familien seiner zum Heer einberufenen Angestellten und Arbeiter. Ersteren wird das volle Gehalt weitergezahlt und den Arbeiterfamilien schon seit Kriegsausbruch Wochenunterstützung gewährt."

"18. November 1916 - Besitzwechsel. Die Ingelheimer Hütte (Julius Kahling), Maschinenfabrik, Fabrik- und Eisengießerei, ging durch Kauf in den Besitz der Firma Georg Würz, Mainz, über."

"7. Februar 1918 - N.-I. Das Gelände der ehemaligen Papierstoff-Fabrik nahe der Bahn kaufte die Gemeinde von der Portland Cement-Fabrik Ingelheim zum Preis von 95.750 Mark."


c) Versorgung der Bevölkerung

"30. März 1915 - Ingelheim Ab 29. März kommen in allen Orten des Kreises Bingen die Brotkarten zur Einführung."

"24. Juli 1915 - Getreide-Verkaufsverbot. Die Großh. Kreisämter Mainz, Bingen und Oppenheim teilen mit Die diesjährige Ernte an Weizen, Hafer, Gerste und Roggen ist zugunsten des Kommunalverbandes beschlagnahmt. Verkäufe an andere als amtliche Aufkäufer werden bestraft."

"25. November 1915 - Auch in unserem Kreise gelangt jetzt eine Mehlzugabe an die Bevölkerung. Zu jedem Brotschein kommt jetzt eine Zugabe von 75 Gramm Mehl."

"18. März 1916 N.-I. Durch die Butterzentrale erhalten nur diejenigen Gemeinden Butter, die deren Abgabe durch Butterkarten regeln und kontrollieren. Die Butterkarte ist jetzt auch in Nieder-Ingelheim eingeführt und damit der Butterbezug möglich gemacht worden..."

"20. Juni 1916 - O.-I. Jetzt auch Fleischkarten. Die Lebensmittelkommission unserer Gemeinde hat ihre Tätigkeit aufgenommen und zunächst Fleischkarten zwecks gerechter Verteilung der bis hierher gelangenden Fleischmengen eingeführt. Wer selbst schlachtet, ist von dem Fleischkartenbezug ausgeschlossen. Das Fleischquantum, das zugeteilt wird, beträgt pro Woche und Person 125 Gramm."

"22. Juni 1916 - Jede Benutzung von Fahrrädern zu Vergnügungsfahrten sowie zu Sportzwecken ist verboten. - Für Obst hat das hessische Innenministerium Höchstpreise festgelegt. Auch Erzeugerverkäufer und Marktbeschicker müssen sich an die festgelegten Verbraucherpreise halten. - Die Gemüseausfuhr aus Hessen ist verboten worden. - Die Kartoffelernte 1916 ist im Bezirk des Kommunalverbandes Mainz von diesem beschlagnahmt worden. Die Ausfuhr aus dem Bezirk ist nicht gestattet."

"10. August 1916 - O.-I. Frühkartoffelverkauf. Das hiesige Lebensmittelamt hat wegen der allgemeinen Kartoffelknappheit einen Waggon Frühkartoffeln bezogen und verkauft den Zentner für 9,30 Mark. - Bis zum 1. 9. sind alle Fahrradgummiteile abzuliefern oder anzumelden."

"19. Dezember 1916 - N.-I. Rüben-Winter. Die Gemeinde hat für die Arbeiterbevölkerung größere Mengen Gelb- und Weißrüben angekauft und gibt diese zu Selbstkostenpreis in kleinen Mengen ab. Bei der Kartoffelknappheit wird geraten, die Gelegenheit zu nutzen. Die Rüben sind nur zur menschlichen Ernährung und nicht als Viehfutter gedacht. - In der Gemarkung Ober­Ingelheim wurden eine Anzahl Burschen wegen Wilderns mit der Flinte festgenommen. Wildern ist an der Tagesordnung."

"1. Februar 1917 - Kohlenmangel. Angesichts des Kohlenmangels und der erschwerten Bedingungen des Transports wird dringend zu strengster Sparsamkeit aufgefordert."

"27. Februar 1917 - Großzügige Spende. Der Ober-Ingelheimer Hermann Hartner, Inhaber einer Saarbrückener Kohlenhandlung, hat der Gemeinde 300 Zentner Kohlen zur Verteilung an Bedürftige geschenkt."

"6. Oktober 1917 - Kartoffelmehl im Brot. Den Kommunalverbänden wird durch die Reichsgetreidestelle vom 1. 11. an zehn Prozent weniger Mehl überwiesen werden, sie erhalten als Ersatz wie zu Beginn der Brotrationierung Kartoffeln zur Streckung, so daß das Gebäckgewicht wie bisher weiter gegeben werden wird. - Zentnerweise wurden in der Gemarkung Bingen die Trauben gestohlen."


"20. Oktober 1917 - O.-I. Versorgungsengpaß. Seit einiger Zeit ist die Fleischversorgung derart ungenügend, daß sie den schärfsten Protest hervorrufen muß. In den letzten Wochen hat es nur 70 Gramm Fleisch, meistens Kalbfleisch, gegeben. Das Lebensmittelamt hat diese Vorwürfe zurückgewiesen und behauptet, daß pro Woche und Person jedesmal 125 Gramm Fleisch (zumeist Rindfleisch) ausgegeben worden seien. Nur einmal seien 70 Gramm ausgegeben worden."

"7. Februar 1918 - Im vierten Kriegsjahr sind die Preise für Damen- und Herrenbekleidung auf eine Höhe gestiegen, die der minderbemittelten Bevölkerung Neuanschaffungen sehr schwer machen. Für diese Kreise wurden "Reichsanzüge" angekündigt, die über die Kommunen von der Reichsbekleidungsstelle ausgegeben werden sollen."

 

2. Nach dem Krieg

d) Landwirtschaft

"4. März 1924 - O.-I. Geleitet von dem Gedanken der Förderung des Qualitäts- weinbaues hat sich eine 'Vereinigung Ober-Ingelheimer Weingutsbesitzer' gebildet, der 18 Mitglieder mit zusammen 100 Morgen Weinbergen in besseren und besten Lagen umfaßt. Die Vereinigung will im Mai Rot- und Weißweine versteigern."

"20. April 1926 - N.-I. Das Weingeschäft geht langsam, aber es wurden Verkäufe zwischen 500 und 600 Mark das Stück getätigt."

"13. Juli 1926 - O.-I. Als 2. Rate sind 79.000 Mark Winzerkredite an hiesige Winzer zur Auszahlung gelangt. Es ist dies ein Zeichen, daß die Not der Winzer nicht zu unterschätzen ist."

"2. Juni 1926 - Spargelmarkt. Erste Sorte per Pfund 75 bis 80 Pf, zweite Sorte per Pfund 35 bis 40 Pf."

"16. August 1926 - N.-I. Die Winzergenossenschaft feierte ihr 25jähriges Bestehen mit einem großen Fest. War der Kommers von 2000 Menschen besucht, so kamen zum Konzert 3000. Der Rahmen war sehr ansprechend. Zahlreiche Winzergenossenschaften, Organisationen und Vereine waren zu dem Fest erschienen. Die Genossenschaft mit ihren 227 Mitgliedern unter der Leitung von Direktor und Bürgermeister Muntermann kann auf die Resonanz stolz sein."

"15. November 1926 - O.-I. Ihren 25. Geburtstag feierte die Winzergenossenschaft Ober-Ingelheim mit einem feierlichen Kommers."

"20. September 1926 - N.-I. Der Obst­ und Gartenbauverein Ingelheim hat unter Mitwirkung des Landwirtschaftskammer-Ausschusses und des Verbandes der Obst- und Gartenbauvereine anläßlich seines Vereinsjubiläums eine Fachausstellung veranstaltet, mit der eine Tagung des Landesverbandes verbunden war. Im Mittelpunkt des Festkommers stand nach den Grußworten des 1. Vorsitzenden, Obergärtner Harth, die Festrede des Reichstagsabgeordneten Pfarrer Korell, dessen Rede viel Beifall fand. Im geselligen Teil wurde eine lokale Ingelheimer Dichtung "De Ingelumer Markt" viel belacht. Musikalische Darbietungen sorgten für frohe Unterhaltung. 3 000 Menschen besuchten die Ausstellung bis Sonntagabend."

"29. April 1927 - Ingelheim. Bei freihändigen Weinverkäufen stellte sich das Stück 1925er und 1926er auf 1.100 bis 1.500 Mark und mehr."

"6. Juli 1927 - Markt-Zusammenlegung. In einer Versammlung des Verbandes der Obst- und Gartenbauvereine des Kreises Bingen war man übereinstimmend der Ansicht, daß eine Zusammenlegung der Obst- und Gemüsemärkte von Ingelheim, Gau-Algesheim und Heidesheim notwendig sei. Im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung der Obstverwertung der ganzen Gegend sei ein Zusammenschluß zu einem Obstgroßmarkt dringend notwendig."

"14. September 1927 - O.-I. Das neue Lagerhaus des landwirtschaftlichen Konsumvereins ist fertig gestellt und wird nach einer kleinen Feier seiner Bestimmung übergeben."

"6. Oktober 1927 - N.-I. Der Kartoffelpreis wurde von der Ortsgruppe der freien Bauernschaft auf 4,- RM pro Zentner festgesetzt."

"26. Mai 1928 - O.-I. Kommerzienrat Heinrich von Opel gestorben. In Mainz starb dieser Tage der von seinem Hofgut Westerhaus bei Ober-Ingelheim ins Mainzer Krankenhaus überführte Mitinhaber der Firma Adam Opel in Rüsselsheim, Herr Kommerzienrat Heinrich von Opel, im Alter von knapp 55 Jahren. In Herrn von Opel als dem Besitzer des Hofgutes und des Gestüts Westerhaus in der Gemarkung Ober-Ingelheim verliert diese Gemeinde einen alle Zeit verständnisvollen und warmherzigen Mitbürger und Förderer aller örtlichen Angelegenheiten."

"2. Juli 1928 - N.-I. Wiederholt hatte der Vorstand des Obst- und Gartenbau- Vereins seine Mitglieder zu einer Beratung eingeladen, die sich mit der Umstellung des Vereins in eine Genossenschaft beschäftigte. Die dritte Beratung dieser Art sollte nicht stattfinden, da die allgemeine Stimmung im Saale sich außerordentlich scharf gegen die Gründung einer Genossenschaft wendete. Sowohl die Bemühungen des Vorsitzenden als auch der Bürgermeister von Ober- und Nieder­Ingelheim konnten zu keinem Endergebnis führen, da die Produzenten absolut darauf bestanden, den freien Markt in Ingelheim beizubehalten, da sie befürchteten, eine zu große Belastung durch eine Genossenschaft, die allein 6 % Verwaltungskosten erfordere, zu erfahren. Bei der gesunden Wirtschaftslage des Ingelheimer Marktes und des Obst- und Gartenbau-Vereins, der bei einem Reinvermögen von 45.000 RM nur eine Schuldenlast von 10.000 RM trägt, scheint die Gründung einer Genossenschaft nicht den Bedürfnissen der Mitglieder zu entsprechen."

"1. September 1928 - Ärger im Obst- und Gartenbau-­Verein. Nachdem es über die Fragen der Vermarktung des Obstes am Ingelheimer Markt nicht zu einer vollständigen Einigung gekommen war, gab es einige Mitglieder, die ihre Erzeugnisse dem Obstmarkt Finthen zuführten. Der Obst- und Gartenbau-Verein in Ingelheim teilt jetzt mit, daß sämtliche Mitglieder, die ihre Erzeugnisse dem Obstmarkt Finthen zuführen, bei Feststellung ihrer Namen aus dem Obst- und Gartenbau-Verein Ingelheim ausgeschlossen werden. Den Ingelheimern geht es um die Erhaltung eines freien Marktes."

"17. April 1929 - Die Absatzkrise in landwirtschaftlichen Erzeugnissen, besonders Korn, Kartoffeln, Wein und Weizen, hält noch an. Die starke Einfuhr von ausländischem Weizenmehl, Obst, Gemüse und Wein dürfte die Hauptursache sein. Die Weinpreise im Inneren Rheinhessens sind gedrückt, sie betragen bei geringen Abschlüssen 800 Mark."

"8. Juli 1929 - Mit einer großen Gratulationscour in Anwesenheit zahlreicher hoher Persönlichkeiten wurde die neue Markthalle der Obst- und Gemüseverwertungs- gesellschaft Ingelheim und Umgebung eingeweiht. Bei der Feier spielte die Musikkapelle ,,Inga". Am Abend war ein stark besuchter Ball."

"22. November 1929 - O.-I. Rotweinpreis hat sich wieder belebt. Für 1.200 Liter werden 1.200 Mark bezahlt. Für Burgunder mehr. Die Winzergenossenschaftsernte ist zum Preis von 800 Mark pro Stück bereits früher nach auswärts gegangen."

"28. Januar 1930 - O.-I. Wochenmarkt. Es wurden folgende Preise erzielt: Butter 1,70-1,90 Mark, Eier 15 und 16 Pfennige, Handkäse 15-18 Pfennige, Weichkäse 30 Pfennige, Rosenkohl 25 Pfennige, Wirsing 12 Pfennige, Weißkraut 10 Pfennige, Feldsalat 1/2 Pfund 25 Pfennige, Rotkraut 15 Pfennige, Rote Rüben 10 Pfennige, Karotten 10 Pfennige, Sellerie 6-15 Pfennige und Lauch 6-8 Pfennige."

"6. Februar 1930 - Für Förderung der Viehhaltung. Die Zentrumspartei brachte während einer Sitzung des Kreistages des Kreises Bingen eine Resolution vor, in der angesichts der Notlage der Landwirtschaft des Kreises Bingen aufgefordert wird, sein Möglichstes dazu beizutragen, um die Not zu heben oder zu lindern. Die Verwaltung wird dabei ersucht, insbesondere die Viehhaltung zu unterstützen."

"26. März 1930 - N.-I. Weinpreise. Bei einer Weinversteigerung in Mainz wurden von der hiesigen Winzergenossenschaft 1928er Naturweine versteigert. Pro Stück wurden zwischen 670,- und 820,- Mark erzielt."

"28. September 1930 - Ingelheim. Herbstpreise. Für den Zentner Trauben werden zwischen 13 und 15 Mark (Portugieser) gezahlt. Bis zu 66 Grad Oechsle wurden erreicht. Die Qualität dürfte besser sein."

"6. Dezember 1930 - Viehzählung in Nieder-Ingelheim: 169 Pferde, 352 Rindvieh, 674 Schweine, 167 Ziegen, 8783 Federvieh, 18 Bienenvölker. - Viehzählung in Ober-Ingelheim: 186 Pferde, 369 Rindvieh, 736 Schweine, 240 Ziegen, 5980 Federvieh."

"11. März 1931 - N.-I. Konsumverein. Der 270 Mitglieder starke landwirtschaftliche Konsumverein legt seine Bilanz vor: Zum 31.12.1930 zeigt sie an Aktiva 35.874,- Mark und an Passiva 34.616,- Mark, somit einen Reingewinn von 758,- Mark."

"13. Mai 1932 - Winzerfest angeregt. Anläßlich einer Sitzung des Gewerbevereins mit einer größeren Zahl von Eingeladenen wurde das Thema Hessischer Handwerkertag im Herbst in Ingelheim angeschnitten. Vorsitzender J. Gemünden meinte, es gehe auch darum, in diesem Zusammenhang Maßnahmen des Fremdenverkehrs zu be­denken, er teilte auch mit, daß im Zusammenhang mit dem Handwerkertag der Gedanke an ein Winzerfest aufgetaucht sei. Bürgermeister Dr. Rückert regte die Gründung eines Verkehrsvereins an, wobei die Verständigung mit den Orten der Umgebung sehr ratsam sei. Zeitungsverleger Wolf schlug vor, eine Kommission aus Vertretern aller Vereine, die am Fremdenverkehr interessiert sind, zu gründen und keinen eigenen Verkehrsverein. Dr. Rückert übernimmt den geschäftsführenden Vorsitz dieses Gremiums. J. Gemünden propagiert schon seit einiger Zeit ein Ingelheimer Winzerfest."

"16. August 1932 - N.-I. Pelztierzucht. Im Solmsschen Park ist die neue Pelztierzucht zu besichtigen. Am und im unteren Weiher tummeln sich etwa 8 Fettschwanzbieber, die für uns eine Seltenheit sind."

"29. September 1932 - Guter Portugieserpreis. Für den Zentner Portugiesertrauben gibt es durchschnittlich 16 Mark freies Geld. Im Vorjahr wurden sie mit 8 bis 9 Mark gehandelt, wobei der Winzer nicht auf seine Kosten kam."


e) Handwerk, Industrie, Handel und Arbeitsmarkt

"20. März1919 - Sonntags frei. Am 1. April tritt die Reichs-Verordnung in Kraft, nach der im Handelsgewerbe Gehilfe, Lehrlinge und Arbeiter an Sonn- und Feiertagen nicht mehr beschäftigt werden dürfen."

"26. Juni 1919 - Zur Beseitigung des Wohnungsmangels wurde eine Baugenossenschaft gegründet. Der Vorstand setzt sich zusammen aus Bürgermeister Bauer (Vorsitzender), Ludwig Greif (Schriftführer), Architekt Starck, Zimmermeister Joh. Rößler und Maurermeister Joh. Gemünden. Die gemeinnützige Baugenossenschaft will vor allem durch den Bau vorbildlicher Kleinwohnungen voran gehen. Am 19. 7. gewährte die Gemeinde einen Kredit von 50.000 Mark."

"4. Juli 1921 - O.-I. Der untere Saal im Rathause ist neu hergerichtet und der Handwerkerzeichenschule des Gewerbevereins Ingelheim als Zeichenlokal seitens der Gemeinde überlassen worden. Versteigerungen und Versammlungen, die seither im Rathause stattfanden, werden nunmehr in Gasthäusern abgehalten."

"7. Dezember 1922 - Zwischen Gau-Algesheim und Nieder-Ingelheim in der Gewann Judensand wurden die Ingelheimer Kalksteinwerke, eine Kunststeinfabrik, eröffnet, die bereits sehr gut beschäftigt ist."

"7. Februar 1924 - F.-W. Der Frei-Weinheimer Gemeinderat Gustav Dietrich schreibt in einem Leserbrief, daß man sich nicht nur mit der Zusammenlegung beider Ingelheim beschäftigen möchte, sondern man sollte noch Frei-Weinheim einschließen, um eine Industrie- und Handelsstadt zu werden ... "

"12. April 1924 - O.-I. Die Verleger der Ingelheimer Zeitung, W. Eckoldt und Karl Wolf, haben ihren seitherigen Mitarbeiter Emil L. Gaul in den Verlag aufgenommen und ihm die Rechte eines Verlegers zugestanden."

"18. Mai 1925 - Gewerbeschau Ingelheim. Ein historisches Ereignis ist die große Gewerbeschau, die der Gewerbeverein Ingelheim unter seinem Vorsitzenden Maurermeister und Gemeinderat Jean Gemünden anläßlich seines 75jährigen Jubiläums in der Nieder-Ingelheimer Markthalle aufgebaut hat. Zum Kommers hatten sich zahlreiche Gratulanten eingefunden. Tausende Menschen, allein am Sonntag 7000, besuchten die großartige Darstellung heimischen Handwerker- und Gewerbefleißes."

Gewerbeschau 1925 - Repro eines Dias aus dem Nachlass Weyell; Gs

"22. Juni 1925 - N.-I. Eine treffliche Illustration für die derzeitige wirtschaftliche Notlage dürften die Bewerbungen um die Stelle des Betriebsleiters für das Gaswerk sein. Es lagen 140 Meldungen vor."

"2. Februar 1926 - Ingelheim. Der im hessischen Landtag beantragte dreiwöchige Lehrlingsurlaub wurde während der Generalversammlung des Gewerbevereins Ingelheim scharf zurückgewiesen. Es sollen gegen den Vorschlag Schritte unternommen werden."

"10. August 1926 - N.-I. Handwerk klagt. Das Bauhandwerk habe noch nie einen solchen Tiefstand gehabt wie 1926. Dies war der Tenor einer Versammlung aller Gewerbevereine und Innungen des Kreises Bingen. Vor allem die Submissionen würden das Handwerk auseinanderreißen und zum Spielball der Behörden werden, hieß es. Die allgemeine Wirtschaftslage wurde sehr beklagt."

"15. November 1926 - Kreis Bingen. Die Arbeitslosenzahl nahm im letzten Monat um über 90 zu. Sie beträgt derzeit 996, 899 männliche und 97 weibliche. Es gibt 1216 Zuschlagsempfänger und 116 beschäftigte Notstandsarbeiter. - Etwa 45 Ober-Ingelheimer Arbeitslose werden bei den Selzregulierungsarbeiten, die in 3 Wochen als Notstandsarbeiten begonnen werden, eingesetzt. Die Gemeinde hat 98 Erwerbslose. Im Vorjahr betrug die Höchstzahl 211. Da sich besonders bei der Industrie die Lage 1926 gebessert hat, wird diese Zahl aber nicht erreicht."

"4. Februar 1927 - O.-I. 108 Erwerbslose befinden sich in der Gemeinde. 48 davon können an der Selzregulierung beschäftigt werden."

"28. Februar 1927 - N.-I. Bei der Zwangsversteigerung der Rheinischen Konservenfabrik, die auf dem Amtsgericht Ober-Ingelheim stattfand, blieb die Firma Balthasar Zimmer mit 40.000 Mark Letztbietender."

 

Neubauten von 1924/25 in der Mühlstraße; Foto: Gs

"21. April 1927 - O.-I. Die Bautätigkeit ist äußerst rege. Bis jetzt sind schon 17 Wohnungsbauten vorgesehen, von denen eine größere Anzahl bereits in Angriff genommen ist. Hierdurch wird die Wohnungsnot gesteuert, und die Zahl der Erwerbslosen verringert sich ständig. - Auf den Baustellen zweier Firmen sind die Maurer infolge Lohndifferenzen in den Streik getreten." 

"11. Mai 1927 - Der in Deutschland gebaute "Chrysler" Modell ,,60" (12-55 PS) mit 6 Zylindern, 7mal gelagerten Kurbelwellen, 4- Radöldruckbremse, außergewöhnlichem Anzugsmoment, hoher Durchschnittsgeschwindigkeit, schönem Aussehen, Bequemlichkeit, Fahrsicherheit und höchster Wirtschaftlichkeit kostet 7.380 RM. Der Opel 4 PS kostet als Zweisitzer 2.980 RM, als Viersitzer 3.400 RM, als Limousine 3.980 RM und als Lieferwagen 3.300 RM ab Werk."

"20. Juni 1928 - O.-I. Während der Generalversammlung der Spar- und Darlehenskasse konnte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Hessel, eine gute Bilanz vorlegen. Daraus ist zu ersehen, daß der Umsatz mit 4,5 Millionen Mark bedeutend zugenommen hat und ein Reingewinn von über 9300 RM erzielt wurde. Die Geschäftsguthaben werden mit 8 % verzinst."

"19. Juli 1928 - F.-W. Die chemische Fabrik Frei-Weinheim Dr. Hermann Bopp hat sich mit der Farbwerke Aktiengesellschaft Düsseldorf und der Firma Toelle und vom Hofe, Köln-Deutz, zusammengeschlossen. Das Aktienkapital der neuen Firma beträgt 1.500.000 RM. Der Name wird in "Vereinigte Farbwerke, Aktiengesellschaft, Düsseldorf" geändert."

"20. Oktober 1928 - N.-I. Gegen das 7-Uhr-Ladenschlußgesetz sprachen sich zahlreiche Vertreter des Handels, des Handwerks sowie der Industrie- und Handelskammer während einer Versammlung aus. Man nannte diesen Ladenschluß einen unhaltbaren Zustand für die Landbevölkerung."

"22. Dezember 1928 - N.-I. Die Arbeitslosen-Ziffer in hiesiger Gemeinde hat 100 bereits überschritten."

"10. Januar 1929 - F.-W. Die Zahl der Erwerbslosen ist auch hier wieder wesentlich in die Höhe gegangen."

"7. März 1929 - N.-I. Die Firma Boehringer hat ein Verfahren zum Griffigmachen von Baumwolle, Kunstseide und dergl. patentamtlich angemeldet."

"24. April 1929 - N.-I. Keine Arbeitsruhe. Eine Abstimmung betreffs Arbeitsruhe am 1. Mai bei der Firma Boehringer hatte nicht die erforderliche 3/4-Mehrheit. Dafür stimmten 67,5 %, dagegen 32,5 %. Am 1. Mai wird also gearbeitet."
(Bei der Abstimmung ging es aber sicher um einen unbezahlten freien Tag. H. G.)

"13. Januar 1930 - N.-I. Aus Anlaß des 25jährigen Dienstjubiläums ihres Bleilöters Herrn Karl Schneider gab die Firma C. H. Boehringer Sohn ihrer Beamten- und Arbeiterschaft einen Bierabend in dem nunmehr fertiggestellten Arbeiterspeisesaal, dessen Einweihung gleichzeitig mit der Jubiläumsfeier in Verbindung gebracht wurde."

"29. Januar 1930 - Berufsaussichten. Die Aussichten für Abiturienten, die ein Hochschulstudium absolvieren wollen, sind nicht rosig. Der Andrang zu den Hochschulen war in den letzten Jahren so groß, daß mit geringen Ausnahmen ein großer Überschuß an Studenten vorhanden ist. Nach dem Material der akademischen Auskunftsämter ist eine große Überfüllung der akademischen Berufe im allgemeinen festzustellen. Auch wegen der hohen Kosten des Studiums soll man es sich reiflich überlegen, ein Hochschulstudium zu ergreifen."

"12. Februar 1930 - F.- W. Neuer Kran. Der elektrische Kran am hiesigen Hafen ist nun fertiggestellt und bereits in Betrieb genommen. Das erste Kohlenschiff ist wieder im Hafen eingelaufen und wird ausgekrant. Der neue Kran soll tadellos funktionieren."

"26. Februar 1930 - Arbeitslose. Es suchen 8,5 Millionen Menschen in Deutschland nach Arbeit. Aber die Wortführer der sogenannten Wirtschaft leiden an sozialer Blindheit. Die Not ist für sie nur Anlaß, an die Verbesserung der eigenen Position zu denken Steuersenkung, Sparen an den sozialen Ausgaben, finanzielle Einengung des Staates, Triumph des Besitzes."

"2. April 1930 - N.-I. Eine begehrenswerte Stätte ist z. Z. die hiesige Herberge "Zur Heimat", die das Ziel vieler Handwerksburschen und Wanderer ist. Seit dem einjährigen Bestehen wurde gestern die höchste Frequenzziffer erreicht. Es erhielten 50 männliche Personen und 1 weibliche Person Nachtquartier."

"19. April 1930 - O.-I. Schlechte Wirtschaftslage. Die z. Z. bestehende schlechte Wirtschaftslage wirkt sich auch auf das Bauhandwerk aus, was daraus ersichtlich, daß fast keine Neubauten ausgeführt werden, sondern nur dringendste Reparaturen. In Ober-Ingelheim gelangt z. Z. ein Neubau zur Ausführung, und dieser wird mit zinsfreiem Geld ausgeführt."

"22. November 1930 - Weihnachtslotterie. Der Gewerbeverein führt zur Hebung des Umsatzes der Ingelheimer Geschäfte erstmals eine Weihnachtslotterie durch. Wer für 5 Mark einkauft, der erhält ein Freilos. 1. Gewinn ist eine Nähmaschine. Es folgen ein Herd, eine Braut-­Ausstattung, ein Fahrrad, ein Ofen, eine Waschmaschine, ein Divan usw. Um recht viele Menschen nach Ingelheim zu locken, wird am 30. November beim Schloß Westerhaus ein Flugtag abgehalten."

"2. Januar 1931 - N.-I. Wie erfreulicherweise berichtet wird, ist die chemische Fabrik C. H. Boehringer Sohn, Ingelheim, z. Z. sehr stark beschäftigt. Es wird Tag und Nacht in drei Schichten gearbeitet. Die Fabrik brachte drei neue Mittel heraus, die einen riesigen Versand erfordern. Dabei ist ein vorzügliches neues Heilmittel gegen Asthma."  -
Allerdings musste Boehringer die Wochenarbeitszeit auf 40 bzw. 36 Stunden herabsetzen, um Entlassungen zun vermeiden (Kißener, S. 98 f.).

"21. September 1931 - N.-I. Bautätigkeit. Es wird wieder mehr gebaut. Außer dem Umbau des Stationsgebäudes der Staatsbahn entstehen 8 Neubauten, darunter 5 in der Hindenburgstraße."

"23. April 1932 - N.-I. Hauptarbeitgeber. Die C. H. Boehringersche Fabrik beschäftigt 550 Arbeiter und Angestellte."

"3. Juni 1932 - O.-I. Reklametafeln, die dem Fremdenverkehr dienen sollen, werden derzeit an verschiedenen Ortseingängen angebracht."

"18. Juli 1932 - Ingelheim. Vorbereitungen laufen an. Für den Handwerkertag werden bereits intensiv Vorbereitungen getroffen. In einer Sitzung des Ortsgewerbevereins sagten 31 Vereine, Gruppen, Innungen etc. ihre Mitarbeit zu. Ein Vergnügungsausschuß wurde gegründet. Dem Ausstellungsausschuß gehören an: die Herren Direktor Jäneke, Römer, Huf, Weyer, Saalwächter, Dorn, Schlubdibir und Nahm."

"1. September 1932 - Der Hessische Handwerkertag wirft seine Schatten voraus. Die Gruppen des Historischen Festzugs am Sonntag, 4. September:

1. Reiterverein Selztal,
2. Arbeiter-Radfahrerverein Nieder-Ingelheim,
3. Radsportverein Nieder-Ingelheim 1921, "Radsport im Gewerbe",
4. Evangelischer Bläserchor Nieder-Ingelheim,
5. Bundesbanner des hessischen Handwerks und Gewerbes, getragen von der Wagnerinnung,
6. Fahnengruppe (die beiden Freiwilligen Feuerwehren, Gesangverein "Einigkeit", N.-I., Ev. Kirchengesangverein, Schubertquartett, beide N.-I., Krieger- und Soldatenverein O.-I., Kath. Männerverein O.-I.),
7. Ehrenausschuß und Vorstand des Ortsgewerbevereins Ingelheim,
8. Gartenbau- und Gärtnerverband, "Gärtnerwagen",
9. Bäckerinnung Ingelheim, "Bäckerwagen ",
10. Metzgerinnung Ingelheim, "Metzgergruppe" ,
11. Schmiedeinnung Ingelheim, "Schmiede in alter Zeit",
12. Maurer O.-I., "Neubau auf Wagen",
13. Beton - Eisen - Licht (Moderne Architektur),
14. Spenglervereinigung Ingelheim,
15. Schreinerinnung Ingelheim, "Wagen mit großem Hobel",
16. D.B.S. "Siedlungshaus",
17. Leich, Frei-Weinheim, Baumaterialien,
18. Spielmannszug und Feuerwehr beider Ingelheim, "Feuerwehr einst und jetzt",
19. Karnevalverein O.-I. mit Musik, "Ritter Hans von Ingelheim",
20. Schützenverein O.-I., "Wilhelm Tell",
21. Mandolinenklub N.-I., "Auf der Alm",
22. Ev. Kirchengesangverein N.-I., "Heideröslein",
23. Turngemeinde O.-I. und N.-I., "Jahngruppe",
24. Rheinbad Frei-Weinheim-Ingelheim, "Licht, Luft und Wasser für die Gesundheit",
25. Karneval-Sparverein "Wäschbächer", N.-I., "Die Geschäftswaage im Reiche des Prinzen Karneval",
26. Kegelklub Alle Neun O.-I., "Kegelspielgruppe",
27. Theuerkauf O.-I., "Mainzer Aktienbier",
28. Arbeiter­ Sport- und Sängervereinigung Ingelheim, "Rheinisches Mädchen",
29. Musikkapelle Baumgärtner,
30. Saalwächter N.-I., "Ingelheimer Wappen", "Karl der Große empfängt im Saale zu Ingelheim eine Gruppe Winzer aus Burgund",
31. Winzergenossenschaft N.-I., "Weinbergsarbeiten",
32. Winzergenossenschaft O.-I., "Räucherwehr",
33. Wasem, O.-I., "Schädlingsbekämpfung, Motorspritze",
34. Winzergenossenschaft O.-I., "Leserinnen", "Vesper bei der Weinlese", "Die Kundschafter aus Kanaan mit der Riesentraube", " Weinkelter und Traubenmühle", "Erntekranz mit Bändern, die Weinbergslagen darstellend",
35. Katholische Kirchenmusik N.-I.,
36. Küferinnung Ingelheim, " Weintransport früher mit Pferden", "Weintransport heute mit Lastwagen und Anhänger",
37. Barth, Darmstadt, "Großes Weinfaß",
38. Verein für das Deutschtum im Ausland, "Lob des Ingelheimer Rotweins",
39. Gesangverein "Germania", O.-I., "Frater Kellermeister",
40. Gastwirteverband Ingelheim, "Bacchus mit seinen fröhlichen Zechern",
41. Ingelheimer Maschinenfabrik A. G., "Klettermaxe, der kleinste Raupenschlepper",
42. Krieger- und Soldatenverein N.-I.,
43. Katholischer Männerverein N.-I."

"Die Namen der Ingelheimer Handwerker und Gewerbetreibenden, die an der Ausstellung teilnehmen:

1. Möbelschreinerei Nagel,
2. mech. Werkstätte Barth,
3. Möbelschreinerei Saalwächter,
4. Kaufhaus Stegmayer,
5. Möbelschreinerei Schäfer,
6. Eisenwarenhandlung vom Brocke,
7. Kaufhaus Otto Huf,
8. Sattlerei Schmitz,
9. Schreinerei Krück,
10. Hutgeschäft Heyland,
11. Schreinerei Hillesheimer,
12. Küferei Sauermann,
13. Fahrradhandlung Singer,
14. Hutgeschäft Wenz,
15. Manufakturwaren Oppenheimer,
16. Kurzwaren Baum,
17. Schuhhaus Brickert,
18. Kunstgewerbliche Arbeiten Niedecken,
19. Ingelheimer Dampfwaschanstalt Epping,
20. Schuhmachermeister Lamm,
21. Spengler und Installateur Kündahl,
22. Radioapparate Vorbauer,
23. Radio Emrich,
24. Architekt Stark,
25. Fahrradhandlung Gutsche,
26. Wollwaren Josef Schmidt,
28. Kolonialwaren und Samenhaus Weyer,
29. Holzwolle-Geschäft Witte-Jäneke,
30. Hutgeschäft und Schirmhaus Emmert,
31. chem. Fabrik Dr. Eberlein,
32. Schneidermeister Degen,
33. Dekorationsmaler Wermann,
34. Solms'sche Gutsverwaltung,
35. Gärtnerei Schlubdibir,
36. Imprägnieranstalt Presse (Kohlenhandlung Mayer O.-I., Kohlenhandlung Brückert N.-I.),
37. Fahrräder Fritz Schweikhard,
38. Fahrräder Albert Heinen,
39. Schmiedemeister Stiehl,
40. Schmiedemeister Brandau,
41. Landwirtschaftl. Maschinen Bernhard Schweikhard,
42. Schmiedemeister Späth,
43. Dachdeckermeister Hartmann und Knoth,
44. Schlosserei Groben,
45. Landw. Maschinen Bechtel,
46. Ingelheimer Maschinenfabrik A. G., hydraulische Wein- und Obstpressen,
47. Landw. Maschinen Michael Weitzel,
48. Bildhauer Dietz,
49. Baumschulenbesitzer Malchus.
Insgesamt 25 Geschäfte nehmen am Schaufenster-Wettbewerb teil."
"Weindorf Lindenberg". Der Saalbau Wedekind ist durch junge Künstler in ein Weindorf verwandelt worden, das Erstaunen erregt."

"Programm des Hessischen Handwerker- und Gewerbetages in Ingelheim:
- Samstag: Festplatz bei der Turnhalle Ober­Ingelheim, Eröffnung der Gewerbeschau; Großer Rheinischer Abend (gestaltet von heimischen Kräften aus den Ortsvereinen).
- Sonntag: Große historischer Festzug durch Ingelheim mit anschließendem Weinfest auf dem Festplatz sowie in allen Lokalen in Ingelheim, abends große Illumination: Ingelheim in Flammen.
- Montag: Kinderfest auf dem Festplatz, Nachfeier in allen Lokalen, großes Brillant­Feuerwerk mit Beleuchtung der historischen Burg und Festungskirche."
"Der Besuch war riesig, die Resonanz großartig. Die Erwartungen der Gastwirte wurden noch übertroffen."

"15. August 1932 - N.-I. Eine rege Bautätigkeit herrschte bereits in diesem Jahr. 13 Neubauten sind entstanden, teilweise wird an ihnen noch gearbeitet. Eine Anzahl Umbauten kommt hinzu."

"8. Oktober 1932 - O.-I. An einem Tag im Laufe der kommenden Woche stehen nicht weniger als 5 Zwangsversteigerungen in Häusern und Liegenschaften von einst gut situierten Ingelheimer Geschäftsleuten an. Die Ortsgerichtstaxe ist 72.000 Mark. Ein trauriges Zeichen der heutigen Zeit."

"14. November 1932 - Ingelheim. Durch die Bemühungen von Bürgermeister Dr. Rückert wurde dem neu gegründeten Verkehrsverein Ingelheim-­Frei-Weinheim als einziger Landgemeinde der Provinz Rheinhessen aus den Mitteln der Westhilfe 500 Mark für Propaganda zur Verfügung gestellt."

Was nicht in der Zeitung stand: Der Umsatz von Boehringer sank im Jahr 1933 auf 52,7% des Jahres 1930 (Kißener, S. 99).


f) Versorgung der Bevölkerung

"8. April 1919 - Lebensmittelnot. Die Lebensmittelnot ist in allen Teilen des Landes beträchtlich. Es fehlt oft am Nötigsten. Wucherpreise werden oft gefordert und gezahlt, so mußte dieser Tage ein Vater, um das Verhun­gern seiner Kinder zu verhindern, 40 Mark für einen Zentner Kartoffeln bezahlen. In weiten Volkskreisen herrscht tiefe Unzufriedenheit und Erregung."

"10. April 1919 - Die Feier des 1. Mai. Der Vorstand der SPD fordert auf, die Arbeitsruhe am 1. Mai nicht durch Feste, die einer Zeit des Hungers und der Arbeitslosigkeit nicht entsprächen, sondern durch Massenkundgebungen der ganzen Arbeiterschaft zu begehen."

"15. April 1919 - N.-I. Gegen die Wohnungsnot. Die Gemeinde hat in der Flecht mehrere Grundstücke aufgekauft, um dort zur Behebung der Wohnungsnot eine Anzahl Ein- bzw. Zweifamilienhäuser zu errichten."

"6. Dezember 1919 - Nahrungsmittelmangel. Der Mangel an Nahrungsmittel macht sich empfindlich bemerkbar. Das Schiebergeschäft weitet sich maßlos aus, und die Landwirte kommen ihren Ablieferungspflichten nur unwillig nach. General Degoutte verfügte, daß Personen, die Geheimschlachtungen vornehmen oder mit Fleisch Schleichhandel treiben, vor ein französisches Kriegsgericht zu stellen sind."

"6. Juli 1921 - Im Warenverkehr zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet sind für das besetzte Gebiet einfuhrfrei frische Kartoffeln, frische Küchengewächse und frisches Obst. Die Ausfuhr aus dem besetzten Gebiet ist freigegeben für frisches Obst und frische Küchengewächse."

"1. August 1921 - Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft teilt mit, daß ab 15. August die Kommunalverbände in voller Höhe ihres Bedarfs an Mehl beliefert werden. Von da ab darf das auf Grund der öffentlichen Bewirtschaftung gelieferte Brot nicht mehr mit Streckungsmitteln versehen werden."

"22. Dezember 1925 - O.-I. Große Not. Der Erwerbslosenrat fordert von der Gemeinde eine Winterhilfe, um der großen Not besser begegnen zu können."

"2. September 1926 - O.-I. Die Gemeindeverwaltung hat bei der Direktion der Reichsbahn 3 Eisenbahnwagen, die für Wohnzwecke bestimmt sind, bestellt."

"12. November 1926 - Anläßlich einer Versammlung des Gewerbevereins Ingelheim wurde einstimmig das Vorhaben begrüßt, die Gründung einer Handwerkerbaugenossenschaft ins Auge zu fassen, um einerseits Arbeitsgelegenheit zu schaffen und andererseits die Wohnungsnot zu lindern."

"20. November 1926 - N.-I. Zwecks Gründung einer gemeinnützigen Baugesellschaft wurde ein provisorischer Vorstand gebildet."

"22. August 1931 - Lohn-Preis-Vergleich. Der Wochenlohn eines Bäckergesellen betrug: 1895 bei mindestens 72stündiger Arbeitszeit 16 Mark oder 22,2 Pfennige pro Stunde, 1913 bei gesetzlich 72stündiger Arbeitszeit 30 Mark oder 41,6 Pf. in der Stunde, 1931 bei tariflich 48stündiger Arbeitszeit 60 Mark oder 125 Pf. in der Stunde. Das Pfund Schwarzbrot kostete 1895 9 Pf., 1913 15 Pf. und 1931 kostet es 20 Pfennige. Dieses Auseinanderklaffen zwischen Lohn und Preis ist der Abgrund, in den unsere Wirtschaft stürzt, in dem große Teile der Landwirtschaft und des städtischen Mittelstandes schon umgekommen sind."

"31. September 1931 - N.-I. Winterhilfe. Für die Maßnahmen der Winterhilfe wurde eine Kommission gegründet. Ihr gehören an: die Gemeinderäte Wilh. Hassemer, Andreas Hartkopf, Balth. Zimmer, Johann Wilhelm Weitzel, Bürgermeister Muntermann, die beiden Ortsgeistlichen, ein Vertreter der jüdischen Religionsgemeinde, die Vorsitzenden der beiden Frauenvereine, ein Vertreter der Firma Boehringer."

"21. November 1931 - N.-I. Sammlung für die Winterhilfe. Folgendes wurde gesammelt: 260 Zentner Kartoffeln, große Partien Gemüse aller Art, große Anzahl Kleidungsstücke, in bar 1100 Mark, und 850 Mark werden noch in Raten eingehen."

"11. Dezember 1931 - O.-I. Es gibt hier 180 Erwerbslose. 70 Personen sind Wohlfahrtsempfänger."

"23. Dezember 1931 - O.-I. Weihnachtsfreude. Für 120 Kinder wurde von Frau I. von Opel auf Schloß Westerhaus eine Weihnachtsbescherung in freundlichstem Rahmen durchgeführt. - Auch der Ortsausschuß der Arbeiter-Wohlfahrt gestaltet durch die Wohltätigkeit der Ober-Ingelheimer eine Weihnachtsfeier."

"28. Dezember 1932 - Winterhilfe. In zahlreichen Veranstaltungen wurde bereits in den 3 Ingelheimer Gemeinden für die Winterhilfe gesammelt, um die Bevölkerung helfen zu lassen, die schlimmste Not der Ärmsten zu lindern. Aus Anlaß ihres 50jährigen Geschäftsjubiläums hat die Firma Latscha 100 Pakete Lebensmittel für die Winterhilfe gestiftet."

"21. Januar 1933 - N.-I. Geld für Wohlfahrtsempfänger. Im Jahre 1932 hat die Gemeinde an Wohlfahrtsempfänger und Erwerbslose 44.400 Mark ausbezahlt. Außerdem wurden Kartoffeln, Briketts, Holz sowie Geldgutscheine ausgegeben und die durch die Winterhilfe gesammelten Gaben verteilt."


g) Wirtschaftliche Situation der Gemeinden

"5. Mai 1922 - O.-I. Die Mietsteuer soll hier eingeführt werden, um Geld für den Bau von Siedlungshäusern zu erlangen. Man rechnet mit 90.000 Mark."

"17. Mai 1924 - Stadtbaumeister A. Weitzel, Frankfurt a. M., hielt vor Vertretern Ingelheims, des Ingelheimer Grundes, des Selzbach- und Welzbachtales einen Vortrag über regionale Verwaltungs- und Wirtschaftsfragen. Seine Ausführungen gipfelten in dem Vorschlag, die Gemeinden Nieder-Ingelheim, Ober-Ingelheim, Frei-Weinheim, Gau-Algesheim, Heidesheim, Wackernheim, Groß-Winternheim, Schwabenheim, Elsheim, Essenheim, Stadecken, Partenheim, Jugenheim, Engelstadt, Bubenheim, Ober- und Nieder-Hilbersheim sowie Appenheim, zusammen 18 Gemeinden mit einer Gesamtfläche von 150 qkm und ca. 26.000 Einwohnern, sollten sich unter Wahrung ihrer kommunalen Selbständigkeit und unabhängig von ihrer Kreiszugehörigkeit zu einem wirtschaftlichen Zweckverband namens 'Zweckverband Ingelheim' zusammenschließen. Der Zweckverband bezwecke vorerst
1. Einheitliche Versorgung mit Gas, Wasser und Elektrizität,
2. Gemeinsames Verkehrs- und Nachrichtenwesen, gemeinsame Propaganda und Veranstaltungen zwecks Hebung des gesamten Wirtschaftslebens,
3. Gemeinsamer Ausbau der Höheren Bürgerschule, der landwirtschaftlichen Schule in Gau-Algesheim, des Kranken- und Waisenhauses in Nieder-Ingelheim,
4. Gemeinsamer Bezug von Rohstoffen sowie Pflege des Absatzes der eigenen Produkte,
5. Als wirtschaftlicher Schwerpunkt des Kreises Sicherung eines entsprechenden Einflusses in der Kreis- und Landesverwaltung,
6. Bildung einer Arbeitsgemeinschaft der Spar- und Darlehnskasse. Parallel zu diesen Entwicklungen soll mit der Zeit als Kristallisationspunkt des Zweckverbandsgebietes die Verschmelzung der drei Gemeinden, Nieder-, Ober­Ingelheim und Frei-Weinheim zu einer Großgemeinde Ingelheim erfolgen."

"21. September 1925 - Die Lage der Gemeinde Nieder­-Ingelheim. Die Gemeinde hat, wie Bürgermeister Muntermann mitteilt, 149.500 Mark Schulden, davon 37.200 Mark, die an Ortsbürger zu Bauzwecken weitergegeben wurden. Die Restschuld ist werbender Art, sie verzinst und amortisiert sich selbst. Von den 112.300 Mark Schulden wurden allein 102.000 Mark für das Elektrizitätswerk ausgegeben. Nach Abtragung dieser Schuld in rund 10 Jahren wird mit jährlichen Einnahmen von 25-30.000 Mark aus dem Werk gerechnet."

"9. Januar 1926 - N.-I. Not in der Gemeinde. Die Gemeinde hat über 100 Erwerbslose und viele Kleinrentner. Die Not ist im Steigen begriffen. Der Bürgermeister bezeichnete trotzdem die finanzielle Lage der Gemeinde als befriedigend."

"14. Mai 1930 - N.-I. Gemeinde hat Schulden. Bürgermeister Muntermann legte den Voranschlag für das Rechnungsjahr 1930 vor. An Ausgaben sind vorgesehen 285.322,- Mark und an Einnahmen 180.322,- Mark. Die fehlenden 105.000,- Mark werden in Gestalt von Umlagen erhoben. Dem intensiv durchberatenen Voranschlag wurde hinzugefügt, daß in Zukunft keine Arbeiten ausgeführt werden dürfen, ohne daß das hierfür notwendige Geld flüssig ist."

"5. Juli 1922 - O.-I. Für den Siedlungsbau beschloß der Gemeinderat, ein Darlehen von 500.000 Mark bei der Kreissparkasse Bingen aufzunehmen."

"15. Februar 1927 - O.-I. Gasversorgungspläne - Die Entscheidung in der Gasversorgungs-Frage ist dahingehend gefallen, daß man sich nicht an Nieder-Ingelheim, sondern an das Gaswerk Mainz anschließen wird. In Ingelheim hatte man vorher gehofft, daß mit einer gemeinsamen Gasversorgung der beiden Gemeinden diese sich auf anderen Gebieten näher kommen könnten."
- Aus diesem Plane wurde allerdings nichts.

"10. Juni 1927 - O.-I. Die Reichswohnungs-Zählung ergab auf 725 Grundstücken 938 Wohnungen. Als Wohnungssuchende haben sich 27 Familien angemeldet."

"21. August 1930 - O.-I. Der Voranschlag für die Gemeinderechnung 1930 sieht bei 148.075 Mark Einnahmen Ausgaben von 224.057 Mark vor. Das Defizit von 76.000 Mark soll als Umlage erhoben werden."

"20. September 1930 - O.-I. Herstellung, Kanalisation und Pflasterung verschiedener Straßen wurden in ein Notstandsprogramm der Gemeinde aufgenommen, das 90.000 Mark kosten wird, die vom Staat für billigen Zins zur Verfügung gestellt werden. Für Zinsen und Amortisation des Arbeitsprogrammes sind von der Gemeinde jährlich etwa 5.000 Mark aufzubringen. Es sollen dabei Erwerbslose und ausgesteuerte Erwerbslose beschäftigt werden, um die Wohlfahrtslasten der Gemeinde zu senken."

"29. November 1930 - O.-I. Die Gemeinde hat ein Defizit von 18.000 Mark. Deshalb wurde die Erhebung einer Bürgersteuer beantragt. Der Antrag wurde abgelehnt. Lediglich Ratsmitglied Ludwig und Beigeordneter Freund sagten ja. - Für Winterbeihilfen durch die Gemeinde kommen vorerst 142 Anwärter in Frage. Der Andrang zu dieser Gemeinderatssitzung war so stark, daß die Türen geschlossen wurden. Bei den heftigen Debatten der Ratsmitglieder kam es auch zu lebhaften Kundgebungen der Zuschauer."

"6. Dezember 1930 - N.-I. Mit 11 Stimmen wurde die Einführung der Bürgersteuer beschlossen. Die SPD-Fraktion stellt den Antrag, Personen unter 1.500 Mark (jährlich) davon auszunehmen."

"9. Januar 1931 - O.-I. Die Zahl der Erwerbslosen beträgt 135 und hat somit den Höchststand erreicht. Hinzu kommen noch 64 Ausgesteuerte, welche Wohlfahrts-Unterstützung erhalten. Von diesen werden abwechselnd 20 Mann in der Gemeinde beschäftigt. N.-I. Der Höchststand der Erwerbslosen ist zu verzeichnen: Es gibt 146 Erwerbslose mit Krisenempfängern; 76 Ausgesteuerte, von ihnen werden etwa 30 in der Gemeinde beschäftigt. Außerdem hat die Gemeinde 78 Sozialrentner, 28 Ortsarme und 43 Kleinrentner."

"30. Januar 1931 - O.-I. Der Gemeinderat hat beschlossen, für die Gemeinde- Arbeiter die 40-Stunden-Woche einzuführen, um dadurch für weitere Ausgesteuerte Arbeitsmöglichkeit zu schaffen. Auf diese Weise können statt bisher 20 etwa 30 Arbeitslose in Arbeit gebracht werden. Voraussetzung dafür ist, daß die in Aussicht gestellten Mittel des Reiches zur Durchführung des geplanten Notstandsprogrammes der Gemeinde in der gewünschten Höhe zufließen."

"4. Juli 1931 - N.-I. Große Einsparungen. Der Gemeindevorschlag für das Rechnungsjahr 1931 schließt in Einnahmen und Ausgaben ab: In Abteilung 1 für den Betrieb mit 299.009,­- Mark, in Abteilung 2 für das Vermögen mit 90.124,­- Mark. In der Rubrik allgemeine Verwaltung konnte gegenüber 1930 eine Ersparnis von etwa 6.000,- Mark gemacht werden. Auch in anderen Sparten sind merkliche Ersparnisse zu beobachten. Diese begründen sich hauptsächlich in Gehaltkürzungen aufgrund gesetzlicher Bestimmungen (Notverordnung). Der eingesparte Betrag von etwa 9.500,- Mark kommt hauptsächlich dem Abschnitt "Wohlfahrt" zugute."

"11. Juli 1931 - N.-I. Die Arbeitslosenzahlen. In Nieder-­Ingelheim befinden sich derzeit 49 Ausgesteuerte und 115 Arbeitslose und Krisen-Unterstützungsberechtigte. Im allgemeinen hat die Erwerbslosenziffer hier abgenommen."
"5. August 1931 - N.-I. Vor einiger Zeit wurde wegen der wirtschaftlichen Lage ein Beschluß des Gemeinderates gefaßt, der beinhaltete, daß die Gehälter der Gemeindebeamten außer den gesetzlichen Abzügen weiter herabgesetzt werden. Dies müsse mit sofortiger Wirkung geschehen. Da die Verwaltung zwar die damit verbundene Rechtssache an das Kreisamt weiterleitete, aber die Kürzung ansonsten nicht durchführte, wurde sie vom Parlament einer scharfen Kritik unterzogen."

Und einen Tag später in Ober-Ingelheim:

"O.-I. Der Gemeinderat hat die Kürzung der Gemeindegehälter beschlossen: bei über 3500 Mark um 15 Prozent, bei Gehältern von 2500 bis 3500 Mark um 10 und bei denjenigen unter 2500 Mark um 5 Prozent."

"27. August 1931 - O.-I. Biersteuer. Die Mehrheit des Gemeinderates beschloß die Einführung einer Biersteuer von 2 Mark pro Hektoliter."

"19. November 1931 - O.-I. Schlechte Finanzlage. Ober­-Ingelheim rechnet mit einem Defizit von 43.000 Mark, das sich aus erhöhten Wohlfahrtslasten ableitet. Deswegen hat das Kreisamt angeordnet, daß die Bürgersteuer um 150 Prozent auf das Zweieinhalbfache der bisher erhobenen Sätze festgesetzt wurde. Der Gemeinderat setzte die Wohlfahrtssätze herab."

"13. Februar 1932 - N.-I. Kommunale Probleme. Dadurch, daß die Gemeinde eine außerordentlich hohe Erwerbslosenziffer vorweisen kann, zählt sie zu den am schlechtesten gestellten im Kreis Bingen. Wie der Erwerbslose Johann Krollmann während der jüngsten Gemeinderatssitzung mitteilte, sind 1400 Köpfe (einschließlich der Familienangehörigen) in der Gemeinde auf Unterstützung angewiesen. Bürgermeister Muntermann hat mit den Herren Weitzel und Dorn vom Gaswerk gegen Ratsmitglied Michel eine Beleidigungsklage bei der vorgesetzten Behörde eingereicht, weil dieser in scharfer, aber sachlicher Kritik in einer der letzten Ratssitzungen sich über die Wirtschaft in der Gemeinde geäußert hatte. Deswegen wurde gegen den Bürgermeister in scharfer Form Stellung genommen und ihm nahegelegt, angesichts seines Verhaltens und seines Alters die Konsequenzen zu ziehen. Alle Räte waren sich in dieser Beziehung einig. Dem Bürgermeister wurde ein Mißtrauensvotum ausgesprochen."

"7. Mai 1932 - N.-I. Last für die Öffentlichkeit. Die Zahl der Wohlfahrtsempfänger beträgt 103. Sie ist etwas zurückgegangen. Für diese bringt die Gemeinde pro Woche 1.100 Mark auf."

"29. September 1932 - N.-I. Der Gemeinderat lehnte geschlossen den Voranschlag für das Rj. 1932 ab. Dieser sah an Einnahmen 156.336,92 Mark und an Ausgaben 327.336,92 Mark vor, so daß ein Fehlbetrag von 171.000 Mark (1931: 105.000) entstanden war. Die Gemeinde hat außer den Klein- und Sozialrentnern, denen sie helfen muß, 135 Wohlfahrtsunterstützungsempfänger. Die Wohlfahrtslasten haben sich gegenüber 1931 verdoppelt."

"15. Oktober 1932 - O.-I. Hohe Schulden. Im Voranschlag der Gemeinde für 1932 wird mit einem Fehlbetrag von 113.000 Mark gerechnet, von dem 68.300 Mark auf die Einwohnerschaft zum Ausschlag kommen. - Die Schulen verursachen der Gemeinde Kosten in Höhe von 8.850 Mark. - Die Gebäude im Besitz der Gemeinde Nieder-­Ingelheim haben einen Wert von 485.090 Mark.

25. Oktober 1932 - Arbeitsdienst. Heute sind 35 junge Leute, 17 von Nieder- und 18 von Ober-Ingelheim, zum freiwilligen Arbeitsdienst mit Autos in den Ingelheimer Wald gefahren. Der Dienst erstreckt sich über 20 Wochen."

 

Zurück zum Seitenanfang


Gs, erstmals: 13.10.07; Stand: 24.02.17