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Gustav Johann Freiherr von Mengden

* 1784 Riga … † 1856 Ingelheim

Autorin: Margarete Köhler (2000)  
überarbeitet von Hartmut Geißler


Gustav Johann von Mengden entstammte dem livländischen Zweig eines westfälischen Adelsgeschlechtes, dessen Name ursprünglich "Mengede" war. Ein Vorfahre von ihm war von 1450-1456 Landmeister des Deutschen Ordens in Livland, einem Territorium, das etwa den heutigen Staaten Estland und Lettland entspricht. Seit 1653 gehörte diese Familie dem Reichsfreiherrenstand an. Von Hause aus war Gustav Johann von Mengden daher begütert und bekleidete bis 1815 hohe Staatsämter in seiner baltischen Heimat. Nach dem Tode seiner Ehefrau, einer in Wien verstorbenen Gräfin Medem, begann er ein unstetes Leben zu führen und wechselte häufig seine Aufenthaltsorte.

Um 1838/39 beteiligte er sich an einem Konsortium zum Aufbau einer Kurhausgesellschaft in Bad Homburg, ein Projekt, das aber scheiterte. Stattdessen kaufte er 1840 von dem Binger Notar Faber den Klopphügel mit den Resten der Binger Burg, die 1711/12 gesprengt worden war. Bevor es zu dem geplanten Wiederaufbau kam, wandte er sich wieder einem anderen Vorhaben zu, nun in Ingelheim. Man kennt die Gründe nicht, die ihn veranlasst haben, sich 1836 hier niederzulassen.

Es gelang ihm 1849, ein auf dem historischen Gelände der Kaiserpfalz nördlich der Aula regia gelegenes Gebäude zu erwerben, das in kurpfälzischer Zeit als Schaffnerei gedient hatte. In den folgenden Jahren erweiterte er seinen Besitz noch um einige benachbarte Parzellen. Der evangelischen Gemeinde von Nieder-Ingelheim schenkte er einen Altar mit zwei Altardecken, Kirchengestühl und eine Kirchentür.

Seine Mittel reichten jedoch offenbar zur Finanzierung seiner vielen Pläne nicht aus. Deshalb sah er sich im Jahre 1855 genötigt, sowohl den Binger als auch den Ingelheimer Besitz zu veräußern. Die Erwerber der Ingelheimer Immobilien waren Johann David von Harder und seine Frau Natalie.

Möglicherweise waren die Käufer mit Baron von Mengden befreundet. Auf einem Ölgemälde von Charles M. Webb ist er als Bittsteller bei Frau von Harder dargestellt. Es ist deshalb zu vermuten, dass ihn Geldnot zu dem Verkauf bewogen hat. Im letzten Jahr seines Lebens wohnte er zur Miete im heutigen Haus Mett, Natalie-von-Harder-Straße 1, das die von Harders gekauft hatten. Sein Diener und ein Nachbar meldeten am 13. Mai 1856 seinen Tod auf dem Rathaus.

Man muss annehmen, dass der vielseitig gebildete, kunstsinnige Mann, der in seinen Glanzzeiten gern die Geselligkeit gepflegt hat, völlig vereinsamt gestorben ist. Die wenigen, fast verblassten Spuren seines Lebens, denen Dr. Ernst Emmerling nachgegangen ist, ergeben nur ein unvollständiges Bild dieser schillernden Persönlichkeit. Er starb im ehemals von ihm besessenen Haus Mett (Nathalie-von Harder-Straße).

Auf seinem Grabstein auf dem Nieder-Ingelheimer Friedhof an der Südmauer steht zu lesen, welche Ehrungen er verliehen bekommen hatte:

- die russische Wladimir-Medaille von 1812
- Offizier des Französischen Ordens der Ehrenlegion
- Ritter des Königlich-Sächsischen Verdienstordens

Am Ende steht aber auch der für Heutige rätselhafte Satz: "Erkennet das Gute und richtet nicht nach dem Schein."


Grabmal von Mengden an der Südmauer des Nieder-Ingelheimer Friedhofs (Foto: Gs)

 

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Gs, erstmals: 08.06.09; Stand: 27.02.17