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Die Kellerei der Winzergenossenschaft in Nieder-Ingelheim


Autor: Hartmut Geißler
nach dem Faltblatt von Gisela Roos zum "Tag des Offenen Denkmals" am 13.09.09


Zeittafel zur Geschichte des Winzerkellers

- 18. August 1901: Die Winzergenossenschaft Nieder-Ingelheim wird gegründet. Der spätere Bürgermeister Muntermann übernimmt den Vorsitz. Der Direktor der Spar- und Darlehnskasse Ludwig Prinz sorgt für die Finanzen.

- 21. Dezember 1902: Der Vorstand beschließt den Neubau einer eigenen Kellerei. Bisher wurde an einer Stelle gekeltert und die Weine dann auf verschiedene, von den Mitgliedern angemietete Kellerräume verteilt, keine gute Voraussetzung für eine einheitliche Qualität.

- 1903: Der Architekt Wilhelm Kahm aus Eltville erstellt einen Kostenanschlag für den Bau einer Kellerei ohne Versteigerungssaal für die Winzergenossenschaft. Die Bausumme soll sich auf 70.000,- Mark belaufen.

- 7. Dezember 1903: Das Baugrundstück wird für 17.710,- Mark gekauft. Es wurde vorher durch Probebohrungen auf seine Tauglichkeit geprüft.

- Winter 1903/1904: Die Winzer heben in eigener Arbeit die Baugrube aus. Das Gelände ist gut gewählt, der Aushub aus dem oberen Keller kann ebenerdig abgefahren werden.

- Februar 1904: Bei den Aushubarbeiten werden römische Münzen gefunden. Der Fund wird an die Münzsammlung in Mainz verkauft, Erlös 100,- Mark.

- 7. April 1904: Die Baugenehmigung wird erteilt. Als Gebühr sind 70,- Mark zu entrichten.

- 2. Mai 1904: Die Grundsteinlegung wird groß begangen.

- Juni 1904: Vergabe der Einzelgewerke an die Handwerker.

Foto (etwa 1910): Hist. Verein


- Bis November 1904: Die beiden Kellergewölbe sind bereits fertig gebaut, ebenso die Kelterhalle. Der erste Herbst wird eingelagert. Der hohe Querbau ist aber noch nicht fertig. Durch den Zeitdruck und auch durch andere Ereignisse erhöht sich die Bausumme von den veranschlagten 70.000,- Mark auf 100.000,- Mark.

- 1905: Es zeigen sich Schäden am Neubau. Die Ausmauerung des Fachwerks im Wohntrakt hält nicht. Erst prozessiert man gegen den Maurer Bott, danach gegen den Zimmermann Struth, an dem dann im Zuge eines Schiedsgerichtsverfahrens ein Teil der Schuld hängen bleibt. Die Kellermeisterwohnung kann nicht bezogen werden.

- 1908: Es zeigen sich erhebliche Risse und Set­zungen auf der östlichen Seite des Kellers. Es werden Gutachten eingeholt und eine Reparatur des Gebäudes angegangen. Der Schaden ist massiv, da auf dieser Seite Wasser in den Keller eintritt und der Baugrund dadurch zu weich ist. Es kostet 20000,- Mark die Schäden zu beseitigen.

- 1911: Die Genossenschaft verzeichnet einen starken Mitgliederzugang durch den Beitritt der Bauern aus Frei-Weinheim und Sporkenheim. Vor allem die Anbaufläche für Frühburgunder steigt dadurch stark an.

- 1. Mai 1932: Die Winzergenossenschaft eröffnet eine Straußwirtschaft in den Gebäuden des Winzerkellers. Den Wirtschaftsbetrieb führt der Gastronom Wilhelm Hilgert.

- 1951: Im Jahr des 50-jährigen Bestehens der Genossenschaft erfolgt der erste Anbau an den Winzerkeller auf der Nordseite. Es entsteht der Anbau mit dem aktuellen Treppenhaus. Der alte Kellerzugang wird wegen der schlechten Treppe stillgelegt.

- 1954: Das Bürogebäude auf der Frontseite wird gebaut. Hier wurde bis 1993 auch der Weinverkauf untergebracht.

- 1993: Der Winzerkeller steht leer. Die Gastwirtschaft ist nicht mehr verpachtet, die Kellerei schon seit mehreren Jahren nicht mehr wirklich genutzt, der Holzfasskeller ist leer. Das gesamte Gebäude wird an Familie Roos verpachtet.

- 1994: Familie Roos baut im Winzerkeller um. Der Eingangsbereich wird neu gestaltet, der Weinverkauf zieht ins Hauptgebäude um. Die Holztüren werden durch die Glaseinbauten ersetzt, die Terrasse wieder zugänglich gemacht. Der Saal bekommt eine neue Treppe und es wird eine Zwischendecke eingezogen. Die Traubenverarbeitung wird wieder aufgenommen und im Keller reifen wieder in den Holzfässern Rot- und Weißweine heran.

Die Gebäude der Winzergenossenschaft von der Binger Straße aus (2007; Gs)
Das Gebäude von unten (Gs)

 

- 2009: Der Stadtrat von Ingelheim fasst den Beschluss, den Winzerkeller zu kaufen, um eine Vinothek einzurichten.

Zur Zeit (2017) wird es immer noch umgebaut.

Nach dem Umbau soll das Gebäude zu Tagungen nutzbar sein, eine Gaststätte soll wieder darin sein und die städtische Tourist-Information soll ihren Stz darin haben.

 

 

Gs, erstmals: 26.02.07; Stand: 09.02.17