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Der Bau der Straße durch den "Ingelheimer Grund"


Autor und Fotos: Hartmut Geißler


Ausführliche Beschreibung der Baumaßnahmen bei Hesse, Wilhelm: Rheinhessen in seiner Entwickelung von 1798 bis Ende 1834, Mainz 1835


In den Jahren 1829 bis 1832 ließ die großherzoglich-hessische Regierung zwölf Provinzialstraßen durch Rheinhessen bauen, darunter

- die Pariser Straße, auf der Karte von Mainz über Nieder-Olm verlaufend, deren Mainzer Teil noch immer so heißt,

- eine Straße von Nieder-Ingelheim über Gau-Algesheim und Ockenheim nach Gensingen

- und eine Straße von Nieder-Olm nach Nieder-Ingelheim (auf der Karte braun)

Die letztere verband die Orte Stadecken, Elsheim, Schwabenheim - damals "Sauer-Schwabenheim" - Groß-Winternheim, Ober-Ingelheim und Nieder-Ingelheim miteinander, mit Abzweig nach Jugenheim, Partenheim, Vendersheim, Wolfsheim, Ober-Hilbersheim, Nieder-Hilbersheim, Engelstadt, Bubenheim.

Die neuen Straßen sollten eine Breite von 30 Fuß (25 cm x 30 = 7,50 m; H. G.) zwischen den Straßengräben haben, davon 6 Fuß als Fußweg, 12 Fuß (= 3 m.) als Steinbahn und 12 Fuß als nicht gepflasterter Sommerweg.

Neben die Straßen sollten Apfel-, Birn- und Nussbäume sowie italienische Pappeln gepflanzt werden. (Hesse S. 176)

Die Rechnungslegung für die Kosten dieser Straße findet man bei Hesse auf den Seiten 225-232.

Nach Beendigung des Baues dieser Provinzstraßen wurde zusammen mit den Bürgermeistern der betreffenden Orte die Aufgabe in Angriff genommen, die kleineren Vicinalstraßen zwischen benachbarten Orten (aus-) bauen zu lassen, die eine Mindestbreite von 6 Metern haben sollten, um von zwei sich begegnenden Fuhrwerken passiert werden zu können. Denn um die zwischenörtlichen Verbindungsstraßen sah es damals schlecht aus, wie das Visitationsprotokoll von 1835 (Ober-Ingelheim) belegt (im Ingelheimer Stadtarchiv): Es ist darin notiert, dass es von Ober-Ingelheim aus je eine Vicinalstraße nach Bubenheim, Appenheim, Gau-Algesheim und Nieder-Hilbersheim gebe, aber "alle in schlechtem Stand, werden auch wenig gebraucht" (S. 6).

Und über die innerörtlichen Gassen heißt es darin: "alle in dem schlechtesten Stande".

Hinkel berichtet ihn seinem Buch über Bubenheim (S. 316), dass die Vicinalstraße zwischen Bubenheim und Schwabenheim 1837 gepflastert wurde; die Kosten (1.937 Gulden, 31 Kreuzer) hatte die Gemeinde zu tragen.

Der Name Grundstraße hat sich bis heute nur noch in dem Teilstück in Nieder-Ingelheim erhalten. Zur Erinnerung an diesen Straßenbau wurde ein Denkmal an der Einmündung der Straße von Elsheim in die von Stadecken nach Sprendlingen errichtet, wie es nach Hesse (S. 196) an allen diesen Straßenneubauten errichtet werden sollte:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Denkmal                                        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Text der Frontseite

 

 

 

 

 

Längenmaßumrechnung auf der Rückseite:

2 Fuss grosh hessisches Längenmaas wovon 4 einen Metre 10 eine gr. hessische Klafter und 1500 Klafter eine Stunde betragen

 

 

Entfernungsangabe auf der rechten Seite: Von hier nach Niederingelheim 3883 Klafter

 

  

Entfernungsangabe auf der linken Seite: Von hier auf die Jugenheimer Höhe 2350 Klafter

 

Im Anhang von Hesses Buch finden sich zwei Risszeichnungen von Brückenbauwerken der neuen Grundstraße.


a) Großwinternheim (Selzbrücke und Aufrisse der Durchlassbrücke für den Flutgraben sowie Querprofile von zwei Straßenausführungen mit Straßengräben, Fußweg mit Vorratshaufen, mit und ohne Sommerbahn und gepflasterter Fahrbahn):

 

b) Elsheimer Selzbrücke

 

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Gs, erstmals: 22.08.07; Stand: 09.02.17