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Das Veteranendenkmal in Großwinternheim


Autor und Fotos: Hartmut Geißler

Die Angaben zu den Personen auf dem Denkmal wurden im Heimatjahrbuch des Landkreises Mainz-Bingen für 2019 durch die Archivarin Nadine Gerhard aus den Angaben des Ingelheimer Archivs ergänzt bzw. korrigiert (175 Jahre Napoleonstein in Großwinternheim, S. 217-222).


Betritt man den Großwinternheimer Friedhof vom südlichen Haupteingang her, so wird der Blick sofort von einem Sandsteindenkmal gefangen, das mitten auf dem Hauptweg steht.

Es wurde 1844 errichtet und nennt 13 Veteranen namentlich (zwei doppelt). Von denen sind zwei gefallen, die anderen 11 haben überlebt. Ihre Liste siehe weiter unten!

Wenn man die Bilder anklickt, öffnen sie sich vergrößert mit Wiedergabe der Texte.

Das Denkmal besteht aus einer Basisplatte und einem etwas breiteren Sockel, auf dem nur vorn etwas vermerkt ist, der Bürgermeistername.

Darüber schließt sich ein Quader an, auf dessen vier Seiten jeweils ein Rahmen eingemeißelt ist, in dem aber nichts geschrieben steht.

Über diesem Quader beginnt der längere Mittelteil der Säule mit Inschriften auf allen vier Seiten.

Seine Bedachung oben bildet wieder eine breitere, gestufte Deckplatte, auf der symbolisch Kriegsgerät gesammelt ist: ein Helm, ein Kanonenrohr und ein Säbel.

Es zeigt schon einige, z.T. ausgebesserte Verwitterungserscheinungen, die Inschriften sind jedoch bei Restaurierungen 1984 und 2006 dunkel nachgezogen worden und gut lesbar. Außerdem wurde der obere Abschluss sowie die Basisplatte im Jahre 2007 gesäubert bzw. erneuert.

Wenn man die Beschriftung der vier Seiten vergleicht, springen einm sofort die sehr unterschiedliche Qualität der Inschriften, ihre verschiedenen Schrifttypen und Trennungszeichen ins Auge; auch die Raumaufteilung ist nicht immer gelungen, was wahrscheinlich alles auf die verschiedenen Zeitpunkte der Beschriftung, auf unterschiedlich begabte Handwerker und vielleicht auch auf die unterschiedliche Finanzkraft der einzelnen Familien zurück zu führen ist. Am erstaunlichsten ist jedoch die Doppelung zweier Personen in unterschiedlichen Inschriften (Anton Lieb und Johann Bauer; dazu mehr auf den Spezialeiten).

Gerade wegen dieser Besonderheiten verdient dieses Denkmal als eine sehr individuelle und liebenswerte Quelle für Großwinternheimer Napoleon-Veteranen eine erhöhte Fürsorge, denn es ist in seiner Art einmalig.

Es folgen die anderen Seiten von links nach rechts in der Reihenfolge Westseite, Rückseite und Ostseite. Bitte anklicken zur Vergrößerung und Kommentierung!

 

Das Denkmal in Großwinternheim zeigt in der ausdrücklichen Erwähnung von Feldzügen und Gefangenschaften die Erinnerung, ja den Stolz auf die überstandenen Strapazen und Gefahren. Es enthält z.T. detailliertere Angaben als einige andere Denkmäler, indem es sowohl Geburts- und Sterbejahre, als auch meistens die Einheiten und die Gegenden der Feldzüge verzeichnet.

Literarisch-musikalisch zeigt sich diese nostalgische Stimmung in Heinrich Heines Gedicht "Die Grenadiere", veröffentlicht 1827 im "Buch der Lieder" und von Robert Schumann 1840 vertont, also vier Jahre vor der Entstehung des Großwinternheimer Denkmales.

Zu den Erinnerungen des Nieder-Ingelheimer Veterans Andreas Hartkopf


Dass solche Denkmäler und Veteranenvereine aber politisch durchaus heikel waren, zeigt das Großwinternheimer Denkmal auf der Vorderseite (hier ganz oben) mit seiner fein austarierten gleichmäßigen Heraushebung der beiden Namen "NAPOLEON" und des regierenden Großherzogs "LUDWIG" sowie die besänftigend-lobende Charakterisierung der hessisch-darmstädtischen Regierung als "segensvoll". Damit verwendet es eine ähnliche Diktion wie das Mainzer Denkmal.

Die auf dem Denkmal erwähnten Großwinternheimer Veteranen in alphabetischer Reihenfolge (Korrekturen und Ergänzungen siehe Gerhard, Heimatjahrbuch 219 S. 229-222):

Name, Vorname

Geburts- und Sterbejahr

militärischer Rang/Einheit

Feldzüge etc.

gefallen?

Bauer, Johann

1791-1880

3 Jahre Soldat

Russland: Beresina, Polotzk

nein

Beär, Benedikt*

1795-1851 

61. Lin.-Reg.

 

nein

Faulhaber, Joh.

1786-1858

16. Lin.-Reg.

 

nein

Hatzenberger, Georg

1792-1821

12. Kür.-Reg.

 

nein

Heck, Nikolaus

1792-1831

61. Lin.-Reg.

 

nein

Hirstius, Heinrich

1788-1879

5. Kan.-Reg.

Russland

nein

Hirstius, Peter

1792-1824

4. Garde-Reg.

 

nein

Klippel, Bernhard

1785-1812

Korporal, 16.Lin-Inf-Reg.

 

ja ("blieb")

Lieb, Anton

1790-1872

6 J. Soldat, 39. Lin.-Inf.-Reg.

Spanien, Portugal, Frankreich, engl. Kriegsgefangener

nein

Mangold, Jakob

1790-1813

5. Kan.-Reg.

 

ja ("fiel")

Schöneck, Jacob

1780-1852

101/2 J. Corp./ 
4. Sap.-Bat.

England, Preußen, Russland, Spanien, Sachsen, engl. Kriegsgefangener

nein

Schweickardt, Peter

1792-1875

"Vet."

 

nein

Zilluf, Johann Mathias

1792-1863

Grenadier-Tirailleur, 4. Garde-Reg.

Russland

nein


* Benedikt Beär (sic!), aber auch "Baer" geschrieben, entstammte der jüdischen Familie Baer in Großwinternheim, die bei Meyer/Mentgen mehrfach dort nachgewiesen ist. Er war Handelsmann und Spezereihändler, wohnhaft in der Klappergasse.

Zu den Veteranen aus ganz Ingelheim


Gs, erstmals: 18.12.05; Stand: 25.11.18