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Widders Beschreibung der kurpfälzischen Orte Nieder-Ingelheim, Ober-Ingelheim, Frei-Weinheim, Großwinternheim und Wackernheim im Jahr 1787


Autor: Hartmut Geißler
nach Johann Goswin Widder, Band III, 1787, ab S. 303

 

Die Bibliothek des Historischen Vereins (heute in der Bibliotheca Carolina) enthält auch eine dreibändige Historisch-Geographische Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine des kurpfälzischen Beamten Johann Goswin Widder aus dem Jahre 1785 - 1587.

Zurzeit (2020) kann man auch verschiedene Online-Versionen seiner Bücher im Internet finden.

Aus ihrerm dritten Band von 1787, S. 303 ff., sollen hier die betreffenden Passagen der Orte Nieder- und Ober-Ingelheim, Frei-Weinheim, Großwinternheim und Wackernheim (Heidesheim war kurmainzisch und gehörte damals nicht zur Pfalz) in Auszügen wiedergegeben werden, da sie einen guten Eindruck vermitteln, in welchem Zustand sich diese Orte des Ingelheimer Grundes kurz vor der Französischen Revolution von 1789 befanden.

Widder war ein bedeutender Wissenschaftler an der 1763 gegründeten Mannheimer Akademie der Wissenschaften.


Inhalt:

1. Nieder-Ingelheim
2. Ober-Ingelheim
3. Frei-Weinheim
4. Großwinternheim
5. Wackernheim


An den Anfang seien zwei Kopien aus dem Buch gestellt, das Titelblatt des dritten Bandes und der Beginn der Seiten über den "Ingelheimer Grund" mit Nieder-Ingelheim.

 

Übertragung:

"1) Nieder-Ingelheim, einer
(sic!) der merkwürdigsten Ortschaften der Rheinischen Pfalz, sechs Stunden von der Oberamtsstadt Oppenheim westnordwärts, zwischen Mainz und Bingen gelegen, wird in alten Urkunden Engilonheim, Hingilenheim, Ingulunheim etc. meistens aber Ingilenheim genannt. In neuern Zeiten haben wir zwei Orte dieses Namens, welche durch den Beisaz Ober und Nieder unterschieden werden. Letzteres verdienet aber den Vorzug, da es mit einem Königlichen Palast K. Karls des Grosen versehen gewesen. Ob dieser Kaiser auch daselbst gebohren sey, wie von vielen angegeben wird, ist eine andere noch un[entschiedene Frage.]"

Es folgen einige Seiten mit wichtigen Ereignissen in der Ingelheimer Pfalz, von Karl dem Großen bis zu Karl IV. und der Verpfändung des Ingelheimer Grundes an Kurpfalz, sodann Berichte über die verheerende Kriege, von denen diese Orte in der Mainzer Stiftsfehde (1460), im bayrischen Erbfolgekrieg (1504), im Bauernkrieg (1525), im Dreißigjährigen (1618-1648) und dem Pfälzer Erbfolgekrieg (1688-1697) betroffen waren, und über die Überreste der Pfalz einschließlich ihrer Säulen.

Es folgen Daten zu den einzelnen Orten:

1. Nieder-Ingelheim:

Einwohner: In Nieder-Ingelheim lebten damals 242 Familien mit 1122 Personen ("Seelen"), das bedeutet pro Familie durchschnittlich 4,6 Personen.

Es gab zwei Kirchen und zwei Schulen sowie 203 Privat- und Gemeindehäuser, so dass in einigen Häusern auch mehrere Familien gelebt haben müssen.

Aus napoleonischer Zeit sind Zahlen von 1806 überliefert, die hier zum Vergleich angefügt werden:
1335 Personen in 223 Häusern, also noch etwas mehr Menschen in mehr Häusern.

2 Mühlen:
- die Neumühle an der Selz
- die "Mahlmühle" am "Wäschbach" (die später sog. Saalmühle).

Landwirtschaftlicher Nutzfläche: 2562 Morgen Ackerland, 573 Morgen Wiesen und 300 Morgen Weideland sowie 144 Morgen Weinberge ("Wingert"), [144 von 3579 landw. Nutzfl. = 4,0 %]

Zur Landwirtschaft im Allgemeinen am Ende des 18. Jahrhunderts in Rheinhessen siehe Maus!

Der Weinbau nahm in Nieder-Ingelheim keinen herausragenden Platz ein, anders als in Ober-Ingelheim (11,1%) und Großwinternheim (9,1%), siehe unten.

Die entsprechenden französischen Vergleichszahlen von 1806 sind nur für den gesamten Kanton Ober-Ingelheim erfasst, nicht für die einzelnen Orte.

Frühere adlige Höfe:

- einer der Edlen von Horneck, "der aber endlich an einen sichern von Lorang gekommen ist" und
- einen der adligen Familie von Haxthausen, "und gehört jetzo den Ullnerischen Erben".

Zur Gemarkung Nieder-Ingelheim zählte auch der "Sporkenheimer Hof" (Einzahl!), seit 1128 im Besitz des Mainzer Domstiftes, zur Abfassungszeit aber Besitz der Grafen von Ingelheim als kurpfälzisches Lehen.

"Freigüter" - das heißt ohne Feudalabgaben - auf Nieder-Ingelheimer Gemarkung waren:

- Güter der Kurfürstlichen Hofkammer,
- der geistlichen Verwaltung,
- des St. Stephansstiftes in Mainz,
- den Häuser Hof der Freiherren von Haxthausen,
- Güter der Freiherren von Walbrunn
- derer von Erthal
- derer von Horneck.

Adlige selbst lebten nicht in Nieder-Ingelheim.

Schließlich wird der von Nieder- und Ober-Ingelheim gemeinschaftlich verwaltete Wald von 150 Morgen bei Daxweiler im Oberamt Stromberg angeführt.

Kirchliche Daten:

- Die Remigiuskirche und ihre verschiedenen Patronatsrechte, zuletzt zu St. Stephan in Mainz gehörend, sei den Katholiken bei der Kirchenauslosung (1705) zugefallen.
- "Die Reformierten haben die im Saal stehende alte Kirche nach der Theilung in Besitz genommen, und solche zu ihrem Gottesdienst eingerichtet, auch einen eigenen Prediger daran bestellt, der unter dem Inspektor der Klasse Oppenheim stehet, und ausser der Kirche zu Wackernheim kein Filial zu bedienen hat."
- "Unweit der Kath. Kirche befinden sich die Gebäude der Kurpfälzischen Mission, welche der General Anton Otto Freiherr von Cloß im J. 1737 für drei Priester und einen Bruder der ehemaligen Gesellschaft Jesu gestiftet hat. Dazu gehören über hundert Morgen Aecker, Wingert und Wiesen."

Daran schließt er einige Zeilen über das Augustiner-Chorherrenstift Karls IV. (Gründung im 14. Jh.) im Saal an. Auch nach der Aufhebung dieses Klosters im Jahre 1576 führe der Abt des Prager Mutterklosters noch "heutigen Tages" den Titel eines "immer währenden Visitators der Probstei der regulierten Lateranischen Chorherren am Rhein zu Nieder-Ingelheim". Zur Verwaltung der Gefälle sei ein besonderer Schaffner angeordnet worden, für den durch die geistliche Verwaltung eine Wohnung im Saal gebaut worden sei (die "Schaffnerei"), während die von Karl IV. errichtete Kapelle in einen Getreidespeicher verwandelt worden sei. [Das muss wohl eine Verwechslung mit der Saalkirche gewesen sein; Gs].

Abgaben:

"Den grosen Frucht- und kleinen Zehnten beziehet das Stift St. Stephan zu Mainz. Von dem Weinzehnten aber ist der Ort ganz frei. Vormals hatte das Kollegiatstift zum heil. Bartholomäus in Frankfurt auch den Neuntel von sichern Gütern zu Nieder- Ingelheim. Erzbischof Werner zu Mainz gab demselbigen im J. 1275 einen Schutzbrief wider die Beamten und ihre Diener, welche es in seinem Besize gestöhret hatten. Noch im J. 1341 war dieser Neuntel dem Deutschen Ordenshause in Mainz verpachtet. An wenn (!) hernach diese Gefälle gekommen sind, davon findet sich keine Nachricht."

Gericht:

"Der Flecken hat nicht nur sein eigenes burgerliches, sondern auch ein besonderes peinliches oder Zentgericht, und zwar lezteres mit Ober-Ingelheim gemeinschaftlich. Der Richtplaz befindet sich noch in Nieder-ingelheimer Gemarkung... Das gemeine burgerliche Gericht ist mit einem Schultheise, vier Schöffen und einem Gerichtschreiber bestellt."

Der erwähnte Nieder-Ingelheimer Richtplatz befand sich auf dem heute so genannten "Galgenbuckel" beim "Roten Turm" (Parkplatz am Boehringer-Haupteingang). Dort fanden Hinrichtungen mit dem Schwert und am Galgen statt.

 

 

"Das Wappen und Siegel von Nieder-Ingelheim bestehet in einem quergetheilten Herzschilde, in dessen untern Theil eine Mauer, im obern aber der halbe einfache Reichsadler vorgestellet wird."

 

2. Ober-Ingelheim (ab S. 312)

"Ober-Ingelheim, ein schöner Marktflecken, nur eine halbe Stunde sudwärts von Nieder-Ingelheim entlegen, mit dem es in Absicht auf die vormalige unmittelbare Abhängigkeit von dem Reiche und dessen Verpfändung an Kurpfalz einerlei Schicksale gehabt."

- 5 Mahlmühlen an er Selz

Einwohner:

Der Ort habe 300 Haushaltungen mit über 1500 Einwohnern, d.h. mit ca. 5 Personen pro Haushalt, dies in 229 Häusern, also auch hier oft mehrere Haushaltungen (Familien) in einem Haus.

Landwirtschaftliche Nutzfläche:

- 2220 Morgen Ackerland,
- 365 Morgen Wingert, [365 von 3271 landw. Nutzfl. = 11,2%]
- 360 Morgen Wald,
- 326 Morgen Wiesen

"An dieser Waldung hat der Freiherr von Horneck 175 M., der Graf von Ingelheim 85 M., und der Freiherr von Walbrunn 115 Morgen."

Das zeigt, dass der Weinbau in Ober-Ingelheim eine größere Bedeutung hatte als in der erheblich größeren Gemarkung von Nieder-Ingelheim.

In beiden Orten stand jedoch der Anbau von Getreide und Hackfrüchten (Ackerbau) damals im Vordergrund.

"Adeliche Höfe nebst den dazu gehörigen Feldgründen besizen die - Grafen von Ingelheim, - die Freiherren von Geismar, - von Nagel, - von Walbrunn, - von Buseck, - von Horneck, und die Dompräsenz zu Mainz. Ferner der Graf von Ingelheim einen nur eine viertel Stunde vom Orte gelegenen Hof, Westerhaus genannt, den er von Kurpfalz zu Lehen trägt."

Kirchen:

- die "alte Kirche", über deren Ursprung Widder nichts in Erfahrung bringen konnte, (St. Wigbert, heute die Burgkirche) sei bei der Auslosung (1705/07) den Reformierten zugefallen, deren Prediger auch Frei-Weinheim mit betreut;
- die 1721 erbaute katholische Kirche ("allerheiligste Dreieinigkeit", später "St. Michael"), die anfänglich ein Filial der Pfarrei von Nieder-Ingelheim gewesen sei, bis sie 1765 zu einer eigenen Pfarrkirche erhoben wurde;
- die lutherische Kirche [am Neuweg, im 19. Jh. abgerissen], nicht nur für die Lutheraner des gesamten Ingelheimer Grundes, sondern auch von Nieder-Hilbersheim und Engelstadt (aus dem Oberamt Stromberg).

Zwei Frauenklöster:

- das Kloster Engelthal (am unteren Ende der Edelgasse), das nach der Reformation in eine Mahlmühle umgewandelt worden sei,
- und das ebenfalls aufgehobene Kloster Ingelheimerhausen auf dem sog. Oppenheimer Berg an den Grenzen zu Elsheim und Engelstadt

Zehntabgaben:

"Am grosen Frucht- und Weinzehnten beziehet die Kurfürstl. Hofkammer eines, und der Freiherr von Geismar zwei Drittel. Jenes Anteil genieset der reformirte Pfarrer."

Gerichte:

Obwohl das aus dem Hochmittelalter stammende Reichsgericht (Oberhof) am Ende des 17. Jahrhunderts aufgehoben worden war, spiegelt sich doch die Erinnerung an jenes alte reichsunmittelbare Adelsgericht noch in Widders Beschreibung von Ober-Ingelheim um 1787 wieder.

So zählt er einige Schultheißen des Oberhofs ("Ritter- und Zentgerichtes") auf:

- 1225 Herbordus
- 1350 Heinz zum Jungen und Alten Schwaben
- 1393 Philipps von Ingelheim Gemeiner zur Leyen
- 1407 Werner Busser von Ingelheim
- 1467 Emmerich von Ingelstadt
- 1497 Karl von Ingelheim
- 1553 Johann Flach von Schwarzenberg
- 1558 Michel Haberkorn von Zellingen
- 1580 Marsilius von Ingelheim
- 1653 Heinrich von Obentraut

Es bestand jedoch weiter ein Rat des ganzen Ingelheimer Grundes (Grundrat) aus gewählten Mitgliedern jedes Ortes, der sich jährlich im Ober-Ingelheimer Rathaus versammelte. Außerdem existierte wie in Nieder-Ingelheim ein einfaches Ortsgericht, besetzt mit mit einem Ober- und einem Unterschuldheißen, vier Ratsschöffen und einem Ratsschreiber.

 

 

 

Das Ober-Ingelheimer Wappen und sein Siegel enthielten den einfachen Reichsadler.

 

3. Frei-Weinheim (ab S. 317)

Widder schreibt: "Ein mittelmäßiges Dorf am Rhein, eine Stunde von Nieder-Ingelheim, dessen Inwohner sich meistens mit dem Fischfange und der Schifferei ernähren. Oberhalb vereinigt sich die Selzbach mit dem Rheine... Das gegenwärtige wird insgemein Freyweinheim genennet, vermuthlich weil es mit den übrigen zum Kaiserlichen Palast in Ingelheim gehörig gewesenen Reichsdörfern gleiche Freiheiten zu geniesen gehabt hat. Von dessen besondern Geschichte ist uns nichts bekannt, ausser des vormals daselbst gestandenen Krahnens, wovon das Grundgemäuer am Gestade des Rheins noch sichtbar ist. Das Recht diesen Krahnen für die Schifffahrt und den Handel auf dem Rheinstrohme zu unterhalten, scheinet von Wichtigkeit, zugleich aber auch den mit gleichem Rechte begabten Städten Mainz und Bingen ein Dorn in den Augen gewesen zu sein...

(Es folgt eine "Kundschaft" Kurfürst Friedrichs I. von 1454, in der die Rechtsprechung über das Rheinufer von Heidesheim bis Kempten beansprucht wird).

Dem ungeachtet ist dieser Krahnen in Folge der Zeit eingegangen, und obschon dessen Wiederherstellung mehrmale in Vorschlag gebracht worden, dennoch bis jezo nicht zu Stande gekommen. Es befindet sich also dermalen nichts als eine Überfahrt in das jenseitige Rheingau an dessen Stelle, welches die Gemeinde als ein Theil jenes Rechts bis auf den heutigen Tag ausübet. Die Bevölkerung belauft sich auf 50 Familien, 220 Seelen. An Gebäuden sind 2 Kirchen, 2 Schulen, und 40 burgerliche Häuser vorhanden."

220 Einwohner in 50 Familien bedeutet eine durchschnittliche Familiengröße von 4,4 Personen, also noch weniger als in Nieder- und Ober-Ingelheim.

"Die Gemarkung beträgt 489 Morgen Aecker, 3 M. Wingert, 146 M. Wiesen, und 14 M. Weide, und 32 M. Wald."

Auch auf Frei-Weinheimer Gemarkung wurde damals Wein angebaut, wenn auch wenig, nämlich 0,4 %.

Äcker und Wiesen machten den Hauptanteil aus. Der Wald dürfte der auf den Rheinauen gewesen sein.

Adelsbesitz, kurpfälzischer Besitz:

"In dieser Gemarkung besizet der Freiherr von Greiffenklau zu Volrats, das Benediktiner Kloster auf dem Jakobsberg in Mainz, und das Nonnenkloster Gottesthal im Rheingaue freie Güter. Auch liegen 13 Auen oder Inseln theils in dem Rheine, theils auf dessen linken Ufer, welche über 400 Morgen Landes betragen. Sie gehören fast alle Kurpfalz mit dem Ober-Eigenthume, der Forst- und Jagdgerechtigkeit. Es sind aber verschiedene Stücke davon zu Lehen gegeben. Ueber sämtliche darauf stehende Waldungen, wie auch über die übrigen zu Nieder- und Ober-Ingelheim, Wackernheim, und Sporkenheim, ist ein eigener Förster bestellet, der zu Freiweinheim wohnet."

Diese Försterei lag an der Ecke des heutigen Dammstraße zur Rheinstraße (ehemalige Gaststätte zur Pfalz). Vorher (seit 1753) befand sich in diesem Gebäude auch ein evangelisch-lutherischer Kirchenraum.

"Die alte Kirche des Orts ist dem heil. Michael geweihet, und bei der Theilung in das Loos der Katholischen als ein Filial der Pfarrei zu Nieder-Ingelheim gefallen. Die Reformierten haben sich auch eine Kirche erbauet, die als Filial zur Pfarrei Ober-Ingelheim gehöret, wohin auch die Lutherischen eingepfarrt sind. Den Zehnten in der Gemarkung beziehet der Kath. Pfarrer als einen Besoldungstheil."

Frei-Weinheim besaß nie ein Wappen, bekam aber 1709 ein Siegel zugewiesen, das den H. Michael zeigt.


4. Großwinternheim (ab Seite 321):

Die Flur "Bockstein" befindet sich nordöstlich des alten Ortskerns an der nördlichen Flanke des Taleinschnittes nach Mainz.

4. "Gros-Winternheim, ein mittelmäßiger Marktflecken von 95 Häusern an der Selzbach... Die Selzbach fließt auf der nördlichen Seite des Fleckens, treibt die dem Domkapitel zu Speier gehörige Selzenmühle, und lauft nach Ober-Ingelheim fort."

Landwirtschaftliche Nutzfläche:

- 1458 Morgen Aecker
- 142 M. Wingert, [142 von 1661 landw. Nutzfl. = 8,5 %]
- 61 M. Wiesen (kein Wald)

"Gedachtem Domkapitel zu Speier gehöret der sogenannte Bockstein von ungefähr 6 Morgen Landes, welcher darum merkwürdig ist, weil der darauf wachsende Wein dem besten Rheingauer gleich gehalten wird."

Freie Güter:

- das Domkapitel zu Speyer,
- die Freiherren von Erthal, Euler, Walbrunn etc.
- und die geistliche Verwaltung.

Kirchen:

- zwei Kapellen (heil. Kreuz und heil. Michael)
- die Pfarrkirche St. Johannes Evangelist mit zwei Altären, einer von der Abtei St. Maximin in Trier; Pfarrer war ein Benediktiner aus der Propstei Schwabenheim
- eine Kirche der Reformierten

Zehnt-Abgaben:

ursprünglich ganz an die Abtei St. Maximin, zu Widders Zeit aber nur noch zu einem Viertel; das zweite Viertel ging an den kurpfälzischen geheimen Staatsrat von Cunzmann zu Lehen, das dritte Viertel ging an den kath. Pfarrer und das vierte Viertel an die Gemeinde.

Gericht:

ursprünglich mit adligen Reichsschultheißen besetzt; zur Abfassungszeit nicht mehr existent. Widder nennt frühere Winternheimer Schultheißen aus "Dienerbüchern der Kurfürsten Ludwig V., Friedrich III., Karl Ludwig":

- Dieter Knebel von Katzenelnbogen
- Georg Flach von Schwarzenburg,
- Hilgart von Obentraut,
- Dieterich Knebel von Katzenelnbogen,
- Heinrich von Obentraut.


5. Wackernheim (ab S. 319)

"Wackernheim, ein ansehnliches Dorf, eine Stunde von Nieder-Ingelheim ostwärts gelegen, kömmt schon in den ältesten Zeiten vor. Denn die Abtei Fulda erhielt bereits unter K. Pippin und K. Karl verschiedene Schankungen zu Wacharenheim (Anm. p:  Schannat, Corp. Tradit. Fuld. num. 5, 8 sq, 24, 36, 42 sq.).

Der Ort gehörte von Anbeginn unter das Kaiserliche Gericht zu Ingelheim, und ward folglich auch jedesmal mit ihm verpfändet." (Hier verwechselte Widder das Gericht mit den Einnahmen aus dem Ingelheimer Königsland; Gs)

In dem südöstlichen Theile der Gemarkung sammelt sich von verschiedenen Brunnquellen eine geringe Bach (sic!), die durch das Dorf lauft, in und ausserhalb desselben fünf Mahmühle treibt, und sich unterhalb des Kurmainzischen Dorfes Hedeseim (sic!) in den Rhein ergieset. Oberhalb ziehet die von Mainz nach Ingelheim und Bingen führende Landstrase vorei."


Einwohner: 91 Familien, 365 Seelen (d.h. 4 Personen pro Haushalt)

Gebäude: 2 Kirchen, 1 Schule, 75 bürgerliche Häuser

Landwirtschaft: 1053 Morgen Aecker, 50 M. Wingert, ebenso viele Wiesen, und 107 M. Wald

2 freiadlige Höfe, die den Freiherren von Jungenfeld gehören

Wald auf der Ingelheimer Heide: 215 Morgen; daran sind beteiligt: die Freiherren von Haxthausen mit 100 Morgen, die Herren von Jungenfeld mit 27 Morgen, ferner die Freiherren von Erthal, Euler, Horneck, Walbrunn und von Buseck

Die Kirche: von ihr erhielt die Abtei Fulda im Jahr 800 einen Teil; bei der Pfälzer Kirchenteilung fiel die an die Reformierten, die danach eine Filiale von Nieder-Ingelheim bildeten

Die Katholiken mussten sich aus Spenden eine neue Kirche bauen, die Kapelle Allerheiligen, ebenfalls eine Filiale von Nieder-Ingelheim

Frucht- und Weinzehnt: die Hälfte an den Domprobst zu Mainz, ein Viertel an das Hospital zu Nieder-Ingelheim, ein Viertel an die Herren von Jungenfeld

[Gedult von Jungenfeld ist der Name eines Adelsgeschlechts im Ritterkanton Oberrhein, dessen Angehörige überwiegend im Mainzer Raum aktiv waren. Geadelt wurden sie 1530 in Augsburg. Der 1787 gemeinte Adlige mit Besitz in Wackernheim war vermutlich der kaiserliche Reichspostdirektor Franz Anton Xaver Joseph Gedult von Jungenfeld, dessen Sohn Franz Edmund Johann Nepomuk Freiherr Gedult von Jungenfeld der 1814 erste Mainzer Bürgermeister nach der französischen Besatzung wurde (wikipedia, 02.12.20)]

 

 

 

 

Das Wappen von Wackernheim zeigt gleichfalls des Reichsadler des Ingelheimer Grundes.


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Gs, erstmals: 04.10.06; Stand: 02.12.20